Mit EvE bei Rainer Gillessen in Kreta

Bei meinem ersten Fotoshooting mit Eve hat sie von Kreta geschwärmt und meinte, wir könnten einmal dort fotografieren und auch Rainer Gillessen besuchen, mit dem sie schon viel gearbeitet hat. Einige der in dieser Zusammenarbeit entstandenen beeindruckenden Bilder sind in ihrem Kalender „Akt im Sternenstaub“ zu finden, der vom Verlag mit einem Gold Award ausgezeichnet wurde.

Wie man an diesen Bildern sieht, hat Rainer Gillessen einen unverkennbaren Bildstil, und mich hatte auch seine Arbeitsweise interessiert. Ich habe deshalb Eve zugestimmt, daß wir nach Kreta fliegen und auch mit Rainer Gillessen zusammenarbeiten.

Ein verlassener Gebäudekomplex

Wir haben an diesen Ort zusammen mit Rainer Gillessen eine Reihe von Aufnahmen gemacht, an denen sein Bildstil nicht zu verkennen ist. Eines seiner Gestaltungsmittel sind Tücher, die er oft zusammen mit verwitterten Gegenständen wie Paletten, Tischen oder Stühlen einsetzt. Das Posing überlässt er nicht seinen Models sondern gibt genaueste Anweisungen und entwickelt daraus seine Bilder. Auf diese Weise zu arbeiten ist fordernd, aber auch sehr lehrreich. Jedem der seine Fähigkeiten weiterentwickeln will, kann ich einen Besuch bei Rainer Gillessen sehr empfehlen.

Eine Höhle mit Hindernissen und Überraschungen

Für diesen Ausflug haben wir auf eigene Faust gearbeitet. Um zu der Höhle zu gelangen, muß man einen Ziegenstall durchqueren, und wir hatten einigen Respekt vor dem Ziegenbock. Wir haben uns aber gegenseitig Mut gemacht und sind heil zu der Höhle gelangt.

Nachdem wir wieder durch den Ziegenstall zurück waren, begrüßte uns ein Mann. Er hatte uns offenbar bei den letzten Aufnahmen gesehen und meinte: „Ich dachte, da hängt eine Tote“. Er war erleichtert zu sehen wie quicklebendig Eve war. Er wird sich an diese unerwartete Begegnung sicher noch erinnern.

Felsformationen

Rainer Gillessen kennt Kreta wie seine Westentasche. Ein Ausflug mit ihm führt immer zu besonderen Zielen, und das erste davon war eine Felsformation mit charakteristischen Schichtungen. Rainer Gillessen hatte hier nicht nur seine bekannten Tücher dabei, sondern auch eine Tasche mit eben jenem Sternenstaub, der auf den Kalenderbildern zu sehen ist. Wir haben aber zunächst ohne den gearbeitet und uns ganz auf die Felsformationen konzentriert.

Für ein zweites Set an dieser Stelle haben wir dann mit dem Staub gearbeitet, der zusammen mit den Tüchern höchst wirkungsvoll einzusetzen ist.

Nach einer kleinen Pause mit leckerem Hühnchen in der nahe gelegenen Taverne sind wir zu einem anderen Ort gefahren, an dem es andere aber nicht minder interessante Felsen gibt. Der runde Stein im ersten Set dort eignet sich perfekt um eine Person darauf zu positionieren, und er steht auch in einem interessanten Gegensatz zu den umgebenden rauhen Felswänden.

Im letzten Set schließlich waren wir an einer imposanten Felswand, die wie eine Art Bühne genutzt werden kann. Die Touristen, die hier vorbeikommen, ahnen nichts von diesem nur wenige Schritte entfernten grandiosen Schauspiel der Natur.

In den Felsen darunter habe ich ein paar Aufnahmen mit dem Kodak Infrarotfilm gemacht. Im vollen Sonnenlicht spielt dieser Film seine Stärken voll aus.

Im Marmorsteinbruch

Am folgenden Tag waren wir bei einem verlassenen Marmorsteinbruch. Die großen Steinflächen mit ihren graublauen Strukturen und Unterbrüchen geben einen ausgezeichneten Hintergrund für die Fotografie ab.

Die Marmorflächen liegen meist im Schatten, aber im Sonnenlicht am späten Nachmittag habe ich Eve mit einem frei stehenden Marmorblock auf Infrarotfilm aufgenommen.

Auf dem Rückweg haben wir noch trockenes Gestrüpp aufgelesen, das wir am folgenden Tag verwenden wollten.

Auf eigene Faust im verlassenen Gebäude

Am letzten Tag waren wir noch Mal in dem verlassenen Gebäude, das wir schon am ersten Tag genutzt haben. Diesmal sind die Aufnahmen aber allein aus der Zusammenarbeit mit Eve und mir entstanden. Wir haben ebenfalls Tücher eingesetzt, die aber aus Tüll sind und einen anderen Charakter haben als die Tücher, die Rainer Gillessen meist einsetzt.

Das erste Set haben wir vor einer kahlen Wand realisiert, wobei auch Eves Begeisterung für das Ballett offensichtlich wird. Hier findet sich auch das Gestrüpp wieder, das wir bei unserem Ausflug zum Steinbruch aufgelesen hatten.

Draußen schien die Sonne, und das ist der Fotografie oft nicht so zuträglich. Mit dem Infrarotfilm kann man damit aber wunderbar arbeiten, wie ich schon oben gezeigt habe.

Es geht aber auch mit der Digitalkamera. Es war recht windig, was uns dazu gebracht hat, auf der Veranda mit weißem Tüll ein engelhaftes Bild zu machen.

Zurück im Gebäude haben wir einen schmalen Gang mit maroden Wänden genutzt. Durch das seitliche Fenster fiel etwas Sonnenlicht hinein, das wir bei den Aufnahmen einbezogen haben.

In den vielen Räumen dieses Gebäudes finden sind auch runde Fenster. Damit haben wir etwas unsere Phantasie spielen lassen und den durch das Fenster sichtbaren Himmel in unsere Bildkonzepte einbezogen.

Fazit

Lohnt es, eine solche Reise allein für die Fotografie zu unternehmen? Das kommt ganz auf den Stellenwert an, den man seiner Fotografie zuordnet. Für mich ist es eine unschätzbare Erfahrung, mit einem Model auf Entdeckungsreise zu gehen und so viele Aufnahmen zu machen, die ich zu Hause so nicht realisieren könnte. Es ist wie eine Urlaubsreise ein bleibendes Erlebnis, und beide sind mir wichtig.

Durch die Zusammenarbeit mit Rainer Gillessen war dies eine Reise mit einem besonderen Touch. Mit ihm zu arbeiten kann ich jedem, der an der Aktfotografie interessiert ist, nur anraten. Er ist im Sommer-Halbjahr in Kreta und hat stets Modelle dort mit denen er Coachings und Workshops macht. Im Winterhalbjahr ist es dort zu kalt, aber dann macht er Workshops in seinem Studio in Aachen. Nehmen Sie genügend Speicherkarten mit, denn es bleibt nicht bei einer Aufnahme.

Ich bedanke mich sehr herzlich bei Eve und Rainer für die wunderbare Zusammenarbeit bei unserem Shooting in Kreta.

Für technisch Interessierte

Die meisten Aufnahmen sind mit einer Fuji XT-2 Digitalkamera aufgenommen. Ich habe dafür die Objektive XF 2,8-4/18-55, 4/10-24, 1,4/23 und 1,4/35 eingesetzt. Das System bietet auch bei den Zoom-Objektiven eine hervorragende Bildqualität und ist für die gebotene Leistung sehr gut zu transportieren.

Für die Infrarotaufnahmen habe ich eine Contax RX mit den Objektiven Zeiss Distagon 4/18 und Distagon 2,8/28 verwendet, jeweils mit Rot- oder Orangefilter. Als Film habe ich den Kodak High Speed Infrared benutzt und in D-76 entwickelt.

Details

Ein besonderes Fotoshooting in Kreta