Island

Im Sommer war ich zu zwei Fotoshootings in Island. Dabei sind auch einige Landschaftsaufnahmen entstanden, die ich nicht vorenthalten möchte.

Ich war vor vielen Jahren schon einmal auf Island und hatte mir dafür meine erste moderne Mittelformatkamera gekauft. Ich war sehr enttäuscht davon, daß sie mich bei den meisten Aufnahmen mit Doppelbelichtungen im Stich gelassen hat. Mittlerweile verwende ich meistens das iPhone für meine Reisefotografie, aber diesmal hatte ich auch meine Fujifilm GFX 50s mit drei Objektiven dabei. Sie macht etwas andere Bilder als das iPhone, aber ich hoffe daß sie auch Interesse finden.

Þingvellir

Þingvellir (Thingvellir) ist ein Nationalpark nahe bei Reykjavik und ein Ort mit besonderer historischer Bedeutung. Hier wurde 930 eines der ältesten Parlamente der Welt etabliert, und 1944 wurde hier auch die Republik Island ausgerufen. Thingvellir selbst besteht aus einem Kirchlein und fünf markanten Giebelhäusern. Unmittelbar daneben befindet sich die Allmänner-Schlucht, durch die man zum Öxará-Wasserfall gehen kann. Die Schlucht und die Öxará unterhalb des Wasserfalls sind ein geologisch bemerkenswerter Ort: hier treffen sich die eurasische und die amerikanische Kontinentalplatten und driften langsam auseinander.

Gjáin

Mein nächster Besuch galt Gjáin. Trotz des Touristenbooms in Island fühlt man sich auf der Fahrt dorthin meist eher allein. Das letzte Stück ist eine unbefestigte Straße, die kurz vor Gjáin hauptsächlich aus Gesteinsbrocken besteht. Ohne geländegänges Fahrzeug muß man sein Auto ein Stück vorher stehen lassen und kann dann zur anderen Seite von Gjáin wandern. Ich bin die Straße langsam weitergefahren und kam nach kurzer Zeit zum kleinen Parkplatz bei Gjáin. Wenn man dort aussteigt, ahnt man nicht, was sich wenige Meter hinter der kargen Landschaft auftut: ein paradiesisches Tal mit Wasserläufen und saftig-grünen Pflanzen. Man steht oben am Rand des Tals und staunt. Wer hinuntergeht, kann die wunderschöne Natur aus der Nähe betrachten.

Von dort geht die holprige Piste noch etwas weiter, und man fragt sich: kann man da wirklich weiterfahren? Man kann, das richtige Auto vorausgesetzt. Wenn man wieder auf eine etwas bessere unbefestigte Straße kommt, ist es nicht weit bis zum grandiosen Wasserfall Háifoss , der dritthöchste Islands. Allerdings: je näher ich dem Wasserfall kam, desto nebliger wurde es. An den Aussichtspunkten war der Nebel so dicht, daß man den Wasserfall zwar in die Tiefe donnern hörte, aber zu sehen war nichts als Nebel. Vielleicht war es auch der Granni-Wasserfall, der lauter zu hören war, denn der liegt etwas näher zum Aussichtspunkt. Ich muß also Bilder von diesen beiden Wasserfällen schuldig bleiben.

Þjófafoss

Auf der Weiterfahrt wieder Richtung Süden ging es etwa 15 km über eine weitgehend gerade und gut befahrbare Schotterstraße. Kaum ein Auto ist mir dort begegnet. Man kann dann zum Þjófafoss (Thjofafoss) auf eine kleinere Sandpiste abbiegen und kommt nach ein paar Kilometern zum Wasserfall. Ich hatte über diese Piste gelesen, daß sie nur mit ausgesprägten Geländefahrzeugen zu befahren ist, aber das hat sich so nicht bewahrheitet. Die Veranstalter der Island-Touren haben aber anderswo gute Gründe für ihre nicht ganz üblichen Superjeep genannten Geländefahrzeuge.

Gljúfrabúi

Auf der Ringstraße im Süden Islands sieht man schon von weitem den Wasserfall Seljandsfoss, um den man herumgehen kann. Davor eine Menge Autos von Besuchern. Mich hat es eher zu dem (etwas) weniger bekannten Wasserfall Gljúfrabúi (“Schluchtbewohner”) gezogen, der sich ganz in der Nähe befindet. Wenn man auf ihn zugeht, sieht man nur eine schmale Felsspalte, durch die ein Bach herausfließt, und dahinter eine Andeutung des Wasserfalls. Man kann sich am Rand des Bachs über die Steine an der Wand entlanhangeln, ohne sonderlich nasse Füße zu bekommen. Ein Regencape ist aber angesagt, sonst ist man von oben bis unten naß. Es sind nur ein paar Meter, und die lohnen sich. Das Wasser fällt durch eine Öffnung in eine Art Lichtung, in der sich ein großer Felsbrocken befindet. Es ist ein Naturschauspiel sondergleichen.

Kvíárjökull und Svinafellsjökull

Auf der Ringstraße ging es dann eine lange Strecke in Richtung Skaftafell zu zwei Gletscherlagunen. Schon auf der Fahrt dorthin hat mich die grandiose Landschaft Islands mit einem Blick auf Skaftafell wieder einmal begeistert. Es ist das Gebiet des Vatnajökull, dem größten Gletscher Islands. Er hat zahlreiche Gletscherausläufe, die in Gletscherlagunen enden. Ich habe zunächst den Kvíárjökull und dessen Gletscherlagune besucht. Beeindruckender war jedoch der Svinafellsjökull (Svinafell-Gletscher) mit der Gletscherlagune Svinafellslón. Die Anfahrt führt zwei Kilometer über eine extreme Holperpiste, auf der man auch mit einem Geländewagen nur langsam voran kommt. Es lohnt aber, an den Gletscherrand zu fahren, denn dort hat man einen eindrucksvollen Blick auf den Gletscher und die Lagune. Obwohl jeder Gletscher sehr langsam zum Tal fließt und Eisberge abbrechen, sind der Gletscher und der See mit den Eisbergen scheinbar totenstill. Ich war an zwei Tagen dort, und man stellt mit Erstaunen fest, daß sich die Eisberge und Schollen in kurzer Zeit erheblich verändern.

Entlang des Wegs

Auf der Rückfahrt in Richtung Reykjavik begegnet man immer wieder bemerkenswerten Motiven, die ich hier zusammengestellt habe.

Fjaðrárgljúfur

Nur eine kurze Stichstraße entfernt von der Ringstraße befindet sich die beeindruckende Schlucht Fjaðrárgljúfur. Man sieht von der Mitte der Schlucht aus, wie die Fjadra mit einem Wasserfall in die Schlucht stürzt. Atemberaubend schön ist aber der Blick in Richtung Schluchtausgang. Als ich diese Aufnahmen gemacht habe, war wie ziemlich oft leichter Niselregen. Aber nicht nur für dieses Motiv war das die perfekte Wetterlage; Sonnenschein paßt zu solch archaischen Landschaften einfach nicht wirklich.

Þakgil

Ein weiteres Highlight ist über eine Stichstraße von Vík í Mýrdal aus zu erreichen: Þakgil (Thakgil). Der etwa 15 km lange Weg ist mit einem Geländewagen gut zu befahren, mit einem regulären Auto wird es zumindest langwieriger. Auch hier ist man nur wenige Kilometer entfernt von der Ringstraße weit weg von der Zivilisation. Die Gletscherabflüsse bilden weite flache Täler mit zahlreichen Mäandern im schwarzen Lavasand. Erst ganz am Ende des Tals findet sich ein Campingplatz, der auch feste Hütten für Übernachtungen anbietet – allerdings zu Preisen, zu denen man hierzulande ein recht komfortables Hotelzimmer mieten kann. Man muß dabei aber auch daran denken, daß die Saison in Island denkbar kurz ist und nicht das ganze Jahr Geld verdient werden kann.

Gýgagjá

Fast gegenüber der Straße nach Thakgil gibt es auf der anderen Seite einen befahrbaren Weg zu der riesigen Höhle Gýgagjá. Die beiden Durchbrüche wirken fast wie Kirchenfenster, durch die man nach draußen auf den schwarzen Sand am Meer schaut.

Geothermie

Fast schon wieder in Reykjavik kommt man an einem wenig beachteten Geothermie-Gebiet vorbei. Das Ski-Resort war offenbar außer Betrieb, und obwohl das Gebiet direkt an der Schnellstraße liegt, war dort niemand. Erst mein Auto hat andere animiert, sich dort auch umzuschauen. Man konnte dort aufgebrochenen Boden mit dampfenden Löchern sehen – eine letzte Erinnerung, daß Island ein vulkanisch sehr aktives Gebiet ist.

Fazit

Meine Reise nach Island war nur kurz, und bei Temperaturen um 13 Grad mit häufigem Niselregen ist es gewiß kein Ziel für Sonnenhungrige. Wer aber archaische Landschaften liebt und ohne Sonne leben kann, findet hier trotz des Tourismus-Booms ein äußerst lohnendes Ziel. Es ist ein Paradies für Landschaftsfotografen. Eine wetterfeste Ausrüstung kann freilich nicht schaden – meine Kamera sah ziemlich oft so aus wie oben. Leider ist Island auch ein teures Reiseland. Das beginnt mit teuren Unterkünften, hohen Preisen für die Verpflegung und hört auch bei der Miete des Autos nicht auf. Wer nicht auf gehobene Unterkünfte angewiesen ist, findet aber bezahlbares – vorausgesetzt, die Buchung erfolgt früh genug. Wichtiger ist schon ein geländegängiger Mietwagen, denn ohne den bleiben die interessantesten Ziele häufig verschlossen. Auch ein normaler SUV wie ich ihn gemietet hatte, ist nicht für alles geeignet. Wenn an einer Furt steht “nur für große Allradfahrzeuge” ist man gut beraten, das ernst zu nehmen. Auf meiner Reise gab es aber nur ein Ziel zu dem ich nicht gekommen bin: Þórsmörk (Thorsmörk). Sieben Furten hatte ich auf dem Weg dorthin schon durchquert, aber die letzte war mir denn doch eine Nummer zu groß. Beinahe liegengeblieben wäre ich aber auf der Fahrt nach Þakgil. Das war zum Glück nur 15 km von der nächsten Werkstatt entfernt, und ich habe es gerade noch geschafft bis dort zu kommen bevor der Reifen gänzlich platt war. Was in diesem Zusammenhang ganz beruhigend ist: selbst in den entlegendsten Gegenden gibt es eine Telefonverbindung, meist sogar mit LTE. Das ist weit besser als man das in Deutschland gewohnt ist.

Alles in allem war es eine sehr lohnende Reise, gelegentlich für einen Stadtmenschen wie mich mit einem leichten Abenteuer-Touch.

Für technisch Interessierte

Anders als sonst üblich hatte ich für die Aufnahmen auf Island meine Fujifilm GFX 50s dabei. Der Sensor ist nicht so viel größer als das sogenannte Vollformat, und die Kamera ist eher kleiner als eine konventionelle Vollformat-Spiegelreflex. Die Objektive allerdings sind deutlich größer und schwerer. Da ich nicht nur alles tragen muß sondern die gesamte Ausrüstung auch bei der Anreise im Boardgepäck Platz finden muß, habe ich mich auf drei Objektive beschränkt: die Fujinon Objektive GF 4/23, 4/32-64 und das 5,6/100-200. Das Tele-Zoom hatte ich mir für diese Reise neu gekauft. Alle drei, und insbesondere das Tele-Zoom, sind trotz ihrer Größe keine lichtstarkten Objektive. Die benötige ich für die Landschaftsfotografie auch nicht, anders als bei der Portraitfotografie wo ich die hohen Lichtstärken gern zum Freistellen verwende. Durch den Bildstabilisator im Telezoom kann man trotz der geringen Lichtstärke auch bei schlechteren Lichtverhältnissen gut mit dem System arbeiten. Eher stört mich, daß der Zoom-Bereich des Telezooms nur 1:2 beträgt, anders als bei den üblichen 70-200 Zooms für das Vollformat.

In meinem Bericht über ein Portraitshooting mit Anna hatte ich erwähnt, daß das Canon EF 4/70-200 L IS mit nur kleinen Einschränkungen an der GFX verwendbar ist. Es kostet gebraucht nur ein Viertel eines neuen des Fujinon GF 100 -200, und gebraucht ist das nur selten zu finden. Ich habe es trotzdem gekauft, weil ich auf einer solchen Reise nicht nochmals ein solches Desaster erleben wollte wie mit der defekten Kamera vor vielen Jahren. Dafür ist eine solche Reise viel zu teuer. Ich reise seitdem immer mit einer Ersatzkamera, die ich für das GFX-System aus Kostengründen leider nicht besitze. Ich bin aber sonst auf Reisen oft mit der Fujifilm X-T2 unterwegs, die mit dem kleinen 18-55 Zoom eine gute Reservekamera ist und nicht viel Platz einnimmt. Eines der Bilder habe ich mit der X-T2 aufgenommen. An diesem Tag war eine Flußdurchquerung angesagt, und ich hatte die GFX vorsichtshalber nicht mitgenommen. So wasserfest, daß man sie im Fluß untertauchen kann, wird sie nicht sein. Ansonsten haben sich auf dieser Reise aber die Abdichtungen der Kamera bestens bewährt – jeden Tag. Auch wenn die Kamera diesbezüglich robust ist: Regentropfen auf der Frontlinse lassen sich nur schwer vermeiden. Noch schwieriger wird es, wenn man im Niselregen oder am Glúfrabui-Wasserfall die Objektive wechseln muß. Da muß man beim Abnehmen und Ansetzen das Kamera- und das Objektivbajonett nach unten drehen, sonst fallen Tropfen auf die Hinterlinse oder gar auf den Sensor. Mit dieser Vorsichtsmaßnahme geht es – ich habe es mehrfach probiert ;-).

Wer eine größere Fotoausrüstung mitnimmt auf Reisen, muß sich auch über eine geeignete Fototasche Gedanken machen. Auch da habe ich früher schon unangenehmes erlebt: auf einer Reise nach Northumberland drohte einer der Tragegurte meines Lowe-Pro Rucksacks zu reißen. Ich konnte nur das wichtigste in einem normalen Rucksack transportieren, den ich für andere Zwecke dabei hatte. Ich habe nun einen evoc CP35 Rucksack, der eine weit bessere Verarbeitungsqualität hat. Er ist auch für Flugreisen der beste Rucksack, den ich gefunden habe. Er ist nur 20 cm dick, nutzt aber anders als die meisten anderen Rucksäcke die zulässige Breite und Länge des Bordgepäcks aus. Das GFX-System läßt sich darin mitsamt der Reservekamera und sonstigem Zubehör problemlos verstauen. Die Objektive 4/23, 4/32-64 uns 2/110 lassen sich trotz der gerningen Dicke des Rucksacks platzsparend aufrecht stehend unterbringen, nur das 5,6/100-200 benötigt ein längeres Fach. Im oberen Teil läßt sich die Reservekamera unterbringen; sie ist auch bei geschlossenem Hauptfach von der anderen Seite zugänglich. Der Rucksack hat auch einen ausgezeichneten Tragekomfort. Wer einen guten Reiserucksack sucht, ist mit diesem bestens bedient. Man muß dann nur noch darauf hoffen, daß der vollgepackte Rucksack nicht gewogen wird.

Details

Landschaftsfotografien von einer Kurzreise nach Island