Ivana. Portrait und Akt im Studio

Die warme Jahreszeit habe ich für Outdoor-Shooings genutzt und war deshalb schon eine ganze Weile nicht mehr im Studio. Im November war es aber draußen reichlich kalt, und Nebel in dem ich gern gearbeitet hätte gab es nicht. Ich habe also mit Ivana ein Shooting im Studio vereinbart und dafür verschiedene Sets geplant.

Wir kennen uns seit einigen Jahren und haben schon viele Fotos gemacht, die uns beiden wichtig sind. Unter solchen Voraussetzungen fällt die Arbeit leicht, und wir haben uns bei einem Kaffee zum Aufwärmen schnell darauf geeinigt was wir in welcher Reihenfolge machen wollen.

Lichtmalerei

Fast alle arbeiten im Studio mit Blitzgeräten. Die habe ich auch, aber ich setze auch gern weniger gebräuchliche Lichtquellen ein. Eine davon ist eine kleine Handleuchte, die ich im dunkeln verwende um Licht auf das Szenario zu malen.

Kinolicht

Kinolicht für Fotoaufnahmen im Studio? Für viele undenkbar, denn alles was nicht aus einer großen Softbox oder mindestens von einem Beauty-Dish kommt, gilt als viel zu hart. Ich habe aber ein Set mit kleinen Dedolights im Studio, mit denen man ein anderes Licht machen kann. Das Licht läßt sich viel gezielter steuern als das mit den meisten Blitzgeräten möglich ist. Diese Charakteristik haben wir hier genutzt und das Set nur partiell ausgeleuchtet.

Portraits

Für Ivans rote Haare war mein neuer, selbtgefertigter grüner Hintergrund wie geschaffen. Kein Lichtzauber diesmal; konventionelles Portraitlicht hat auch einiges für sich.

Von diesem Set habe ich auch ein paar Polaroids gemacht, von denen ich hier zwei zeige. Wie man an diesen Fotografien sieht, ist der Eindruck trotz gleichen Set-Aufbaus erheblich anders als bei den vorhergehenden Fotos. Es lohnt also auch bei der Fototechnik, nicht immer die gleichen Wege zu gehen.

Klassische Aktfotografien

Die Umgebung für diese Aufnahmen wollte ich durch einen einfachen schwarzen Studiohintergrund betont schlicht halten. Die Leuchte habe ich mir neu besorgt und war gespannt darauf, ob das Licht so ist wie ich erwartet hatte. Ich wurde nicht enttäuscht – perfekt für Ivanas Posing.

Fazit

Ich mag keine standardisierte Fotografie und experimentiere gern mit Licht. Das ist nicht nur was die Softbox bietet oder ein Beauty-Dish. Schon diese beiden haben eine unterschiedliche Lichtcharakteristik, aber es gibt so viele andere Möglichkeiten, mit Licht zu gestalten. Gewiss muß man dafür Lehrgeld zahlen , aber am Ende zählt eben doch, dass die Fotos etwas anders werden als üblich.

Noch mehr begeistert als das Licht hat mich aber die Zusammenarbeit mit Ivana. Es macht einfach Freude, mit jemandem zusammenzuarbeiten, der den Enthusiasmus für die Fotografie teilt und sich dementsprechend einsetzt. Die Bilder zeigen, wofür das wichtig ist.

Für technisch Interessierte

Lichtmalerei

Aufnahmen im verdunkelten Raum vor einem selbstgefertigten grauen leicht strukturiertem Hintergrund. Die Referenz für derartige Hintergründe sind die von Sarah Oliphant. Diese Hintergründe sind teuer und werden deshalb hauptsächlich vermietet. Die Selbstherstellung als überlegenswerte Alternative ist mit erheblichem Aufwand verbunden und erfordert Expertise wie ich sie nicht habe. Ich habe mir deshalb Rat von Gisela Richter geholt, die für mich schon Körperkunst gemalt hat – zwei der bei ihr gezeigten Bilder sind aus dieser Zusammenarbeit. Mein Hintergrund kann zwar mit den superben Hintergründen von Oliphant nicht mithalten, ist aber doch einiges besser als die meisten handelsüblichen Stoffhintergründe. Der Aufwand, den man zur Herstellung betrieben muß, lohnt.

Als Lichtquelle wurde eine kleine LED Leuchte mobil eingesetzt; Belichtungszeit ca. 20 s. Anders als bei üblichen Lichtquellen kann man nicht voraussagen, welches Resultat zu erwarten ist. Um es nicht zu einfach zu machen, verwende ich dafür meist auch Film, aber die Diafilme die ich dazu einsetze gibt es neu nicht mehr zu kaufen. Ich besorge mir deshalb gelegentlich ältere Filme, aber nicht immer geht das gut. Diesmal hatte ich damit leider besonders Pech, denn der Film war so stark überlagert, dass er völlig dunkel war und keine Bilder erkennbar waren. Ich mache aber immer auch digitale Aufnahmen, mit denen das Resultat auch gleich beurteilt werden kann. Den Charme analoger Aufnahmen haben die digitalen Bilder zwar nicht, aber brauchbar sind sie auch.

Die Bilder wurden mit einer Fujifilm XT-2 und dem XF 1,4/35 aufgenommen. Ein Stativ ist wegen der langen Belichtungszeit unersetzlich.

Kinolicht

Hierfür wurde der gleiche dunkelgraue selbstgefertigte strukturierte Hintergrund verwendet. Als Lichtquelle dienten zwei Dedolight DLH-4, davon eine mit Klappen. Diese kleinen nur 150 W starken Leuchten sind viel lichtschwächer als ein Studioblitz, aber weil sie permanent leuchten und ein fokussiertes Licht erzeugen, werden sie vom Model als eher unangenehm empfunden. Wenn sie in das Fernlicht eines Autoscheinwerfers schauen, wissen Sie was gemeint ist. Diese Leuchten liefern wegen ihrer geringen größe harte, scharf konturierte Schatten, die nicht jedermanns Sache sind. Dennoch sind es sehr interessante Leuchten, die ich für spezielle Zwecke gern einsetze.

Eines der Dedolights erzeugt den Lichtbalken, das andere deint der Aufhellung in allen Bereichen.

Aufnahmen mit Fujifilm GFX 50s und GF 4/32-64

Portraits

Die Bilder wurden vor einem anderen selbst gefertigten leicht strukturierten Hintergrund aufgenommen. Das Hauptlicht war ein Studioblitz mit weißem 70 cm Beauty-Dish. Um den Lichtabfall auf dem Hintergrund auszugleichen, war auf der gegenüberliegenden Seite ein kleines Striplight auf den Hintergrund gerichtet. Bei einigen Aufnahmen wurde eine Windmaschine eingesetzt.

Aufnahmen mit Fujifilm GFX 50s und GF 2/110

Für die Polaroids habe ich eine Polaroid 250 mit Fuji FP-3000B mit verwendet – ein mittlerweile sehr gesuchter Trennbild-Film.

Klassische Aktfotografie

Aufnahmen vor schwarzem Kartonhintergrund. Ich mag diese Hintergründe nicht; sie sind nicht nur wenig haltbar sondern werfen auch unschöne Dellen die man bei Streiflicht deutlich sieht. Bei Digitalaufnahmen kann man dies mit der Retusche korrigieren, bei analogen Aufnahmen jedoch nur schwierig. Beleuchtung mit einer 145×145 cm indirekten Elinchrom Lightbank mit Wabe von oben. Diese Wabe gibt es nicht handelsüblich zu kaufen; ich habe sie mir spezifisch für diese Box anfertigen lassen.

Aufnahmen mit Fujifilm GFX 50s und GF 4/32-64

Alle digitalen Aufnahmen mit Tethering (Computeranbindung) mit Capture One. Das ist mit den Fuji Kameras erst neuerdings möglich und ist trotz der großen RAW-Dateien und USB-2 auch mit der GFX relativ zügig. Neben RAW überspiele ich auch kleine JPEGs, mit denen die Aufnahmeeinstellungen wie Bildbeschnitt (in einigen Fällen Quadrat) und Farbe/Schwarzweiss direkt beurteilt werden können.

Details

Ohne Licht geht nichts. Aber es muss nicht immer das gleiche sein.