Portraits in der Natur und am Hafen

Sie kennen Anna vielleicht schon aus anderen Aufnahmen von mir. Wir haben uns vor einigen Jahren kennengelernt und arbeiten seitdem häufig zusammen – im Studio, im Ausland oder wie hier in der näheren Umgebung.

Ich bin mit der Bahn angereist, und Anna holte mich mit dem Auto ab. Da ich meist mit einigem Equipment komme, hatte sie sich gefreut, endlich einen Grund zu haben, um ihren Kofferraum gründlich zu leeren. Um so erstaunter war sie, daß ich nur einen Rucksack dabei hatte. Ich wollte mich nämlich auf diesem Shooting möglichst wenig um die Technik kümmern und hatte deshalb nur zwei Kameras dabei (eine davon zur Reserve) und vier Objektive. Kein Stativ, kein Blitz, kein Aufheller. Diese Dinge behindern die Fotografie manchmal mehr als sie nützen. Es war also noch jede Menge Platz im Kofferraum.

Wir sind erst einmal bei einem Bäcker vorbeigefahren und haben uns einen Kaffee und eine kleine Verpflegung geholt. Das ist fast so wichtig wie die Kamera, denn es fördert die gute Laune. Und die ist wichtig.

Wir hatten uns für dieses Shooting vorgenommen, ausschließlich Portrait- und People-Fotografie zu machen. Zuvor hatten wir besprochen, was wir ungefähr realisieren wollen und welche Kleidung und Requisiten wir dafür mitnehmen.

Am Rhein

Für die ersten Aufnahmen sind wir zum Rhein gefahren. Außer einem schönen Ufer gab es dort auch interessante Bäume und Sträucher sowie ein etwas morastiges Gebiet. In jedem dieser Bereiche haben wir Aufnahmen gemacht. Anna hat dazu jeweils ein passendes schlichtes Outfit gewählt.

Am entwurzelten Baum
Am Ufer
Eine andere Stimmung
Sumpfiges Gebiet

Hier war es leicht abschüssig und so glatt, daß man sehr aufpassen mußte, nicht unversehens mitsamt der Kamera im Sumpf zu landen.

Markante Bäume

Am Hafen

Im Hafengebiet wollten wir Aufnahmen machen, die sich deutlich von denen am Rhein unterscheiden. Wir haben dazu ältere und neuere Lagerhallen und deren Umgebung aufgesucht und ausgefallenere Kleidung gewählt.

Am Tor einer Lagerhalle

Für das erste Set in der Sonne haben wir ein schwarzes Outfit mit einem schwarzen Tuch eingesetzt.

Im Schatten der Lagerhalle

Nur wenige Meter davon haben wir im Schatten des Gebäudes mit einem schwazen Kleid eine andere Bildstimmung bekommen.

Am Kai

Für unser letztes Set schließlich hat Anna ein hübsches Outfit mit Punkten gewählt, das wir zusammen mit einem Hocker verwendet haben.

Obwohl es dort praktisch nichts Grünes gab, war eine große Hummel unterwegs. Vielleicht auch wegen des Mangels an Blüten kam sie der gepunkteteten Bluse näher, und Anna schaut gespannt was da auf sie zukommt. Ich habe diese Begegnung gerade noch im Bild festhalten können bevor sie realisierte, daß es eine Hummel ist.

Fazit

Wir hatten für dieses Shooting interessante und kontrastierende Aufnahmeorte ausgesucht. Zudem hatten wir Glück mit dem Wetter und konnten bei verschiedenen Lichtstimmungen den ganzen Tag über arbeiten, so daß wir am Ende zufrieden wieder nach Hause gefahren sind. Es war ein sehr lohnender Tag für uns beide.

Für technisch Interessierte

Dies ist mein erstes Shooting, bei dem ich die Outdoor-Fähigkeiten meiner Fujifilm GFX 50s testen konnte.

Ich hatte neben der Kamera die Objektive GF 4/32-64 und GF 2/110 dabei, sowie die Canon Objektive 1,2/50 L und 4/70-200 L IS mit Viltrox-Adapter. Zur Reserve (die ich immer dabei habe) eine Canon 1Ds MkIII, die ich aber nicht einsetzen mußte.

Die meisten Aufnahmen habe ich mit den beiden Fuji Objektiven gemacht. Sie haben, wie man das von Fuji gewohnt ist, eine ausgezeichnete Bildqualität. Eine adäquate Freistellung beherrscht allerdings nur das 2/110, das auch nur etwa einem 1.8/85 für das Vollformat entspricht. Das kann man also sehr viel kleiner und billiger haben. Mit den Bildresultaten dieses Objektivs bin ich dennoch sehr zufrieden – auch mit dem Autofokus. Das Bild mit der Hummel wäre nicht auf den Punkt (Annas Gesicht) fokussiert, obwohl es eine sehr schnelle Reaktion erforderte.

Das GF 4/32-64 ist für die Freistellung wenig geeignet, aber der Brennweitenbereich ergänzt das 2/110 ausgezeichnet.

Für einen normalen Bildwinkel bietet Fuji leider kein ausreichend lichtstarkes Objektiv für die Freistellung an, und das neu in der Roadmap verzeichnete GF 1,7/80 löst dieses Problem nicht. Es ist von der Brennweite her zu dicht am 2/110; wirklich nötig wäre ein 1,4/65, das aber nicht in Sicht ist. Das ist der Grund, weshalb ich mein Canon 1,2/50 dabei hatte. Ich habe es aber nur kurz angesetzt und wegen starker Vignettierung nicht verwendet. Ich weiß allerdings mittlerweile, daß dies großenteils von der Sonnenblende verursacht wird, die auf das größere Format nicht ausgelegt ist. Ich habe mir inzwischen eine zusätzliche Sonnenblende besorgt und so modifiziert, daß sie das Bildfeld nicht mehr einschränkt. Es ist also nicht der letzte Versuch mit diesem Objektiv.

Eine sehr positive Überraschung war die Qualität der Aufnahmen mit dem Canon 4/70-200 L IS. Es vignettiert zwar leicht vor allem bei kurzer Brennweite oder offener Blende, aber es läßt sich mit dem Viltrox-Adapter mit Autofokus und Bildstabilisierung sehr gut verwenden. Die Vignettierung ist oben rechts etwas deutlicher ausgeprägt und bei 200 mm vor allem dort noch offensichtlich. Das ist durch die Kontakte des Objektivs verursacht, die etwas mehr in das Bildfeld ragen als der Rest der Fassung. Die gezeigten Bilder (4 und 5 in der Serie “Markante Bäume”) sind aber nicht beschnitten sondern nur an den Ecken aufgehellt. Auf dem Bild 4 sieht man oben rechts noch die Vignettierung durch die Objektivkontakte.

Diese Kombination ist eine kostengünstige Alternative zu dem Fujinon GF 5,6/100-200. Es ist bei elektronischen Adaptern allerdings immer die Frage, wie zuverlässig diese funktionieren. Mein erster Viltrox-Adapter hat das Ausprobieren verschiedener Objektive nicht überlebt, und der Hersteller reagiert auf eine Reparaturanfrage nicht. Auch der zweite Adapter hat in einer anderen Kombination schon einmal seinen Dienst versagt, obwohl sie ansonsten funktioniert. Zuverlässigkeit ist mir generell und vor allem bei Reisen wichtig, weshalb ich mir letztlich trotz der guten Bildqualität des Canon Zooms für eine Reise nach Island doch das Fujinon Zoom zugelegt habe.

Wer eine kostengünstige Alternative sucht und ohne Autofokus auskommt, ist mit dem Mamiya ULD C 4,5/105-210 für die Mamiya 645 sehr gut beraten. Naturgemäß gibt es bei diesem für Mittelformat ausgelegten Objektiv keine Probleme mit der Vignettierung, und die Bildqualität ist bis auf eine leicht entfernbare chromatische Aberration exzellent. Auf automatische Blendensteuerung, Autofocus und Bildstabilisierung muß man zwar verzichten, aber dafür muß man bei dieser Kombination auch keine unliebsamen Überraschungen befürchten. Mein Adapter ist nicht in der Lage, auf Unendlich zu fokussieren, aber es gibt sicherlich bessere, die dieses Problem nicht haben. Die kosten dann allerdings so viel wie das Objektiv, das gebraucht in gutem Zustand für deutlich unter 200 € zu finden ist. Wer den Mut hat, in Japan zu kaufen, kann es auch für etwa 100  € haben, inklusive Versand und Zoll. Man muß dort aber die Zustandsbeschreibung sehr genau lesen; A+++ heißt keineswegs, daß es nicht von Pilz befallen ist.

Die Fuji GFX 50s ist nicht größer oder schwerer als eine Vollformat-Spiegelreflex, aber die Objektive sind erherblich größer und schwerer als ihre Vollformat-Pendents. Wer den ganzen Tag damit aus der Hand arbeitet, merkt das nicht erst am Abend. Sehr nützlich ist das auch im Hochformat einsetzbare schwenkbare Display. Die zweite Aufnahme im Set “Im Schatten der Lagerhalle” hätte ich sonst nicht machen können. Trainiert mit dem Zoom auch den Bizeps ;-). Die Kombination des GF 4/32-64 mit dem GF 2/110 ist eine gute Kombination für die Portraitfotografie; mehr brauche ich zumindest selten. Wünschenswert wäre ein lichtstarkes Normalobjektiv mit Autofokus, aber das ist vorerst leider nicht in Sicht. Ich bedaure dennoch nicht, diese Kamera für das Shooting verwendet zu haben. Ich mag einfach das native 3:4 Format und die Qualität der Bilder, die diese Kamera liefert. Leider hat das Nachfolgemodell 100 MP und einen fest eingebauten Hochformatgriff statt eines quadratischen Sensors, der nicht weit von 3:4 entfernt ist. Auch wenn das immer noch nicht ganz mein Traum ist, kommt es dem näher und würde die Kamera erheblich attraktiver machen. Wenn Sie wissen möchten warum, finden Sie das in meinem Beitrag “Oskar Barnacks digitales Erbe“.

Details

Ein Portraitshooting in der Natur und am Hafen mit Anna. Es ist auch der erste Outdoor-Einsatz meiner Fujifilm GFX50s.