Schottland

Nach Schottland sollte es gehen, und zwar hauptsächlich auf die Hebriden – der Schlechtwetterküche Europas. Pessimisten hätten vielleicht eine Nikonos (eine Unterwasserkamera) mitgenommen, aber die habe ich nicht. Ich bin auch nicht so pessimistisch, aber die Vorstellung einer rauen nicht unbedingt von Sonnenschein gesegneten Landschaft hatte ich schon. Auch wenn das Titelfoto ein Farbbild ist: kontrastreiche Schwarzweiss-Aufnahmen mit einer analogen Mittelformatkamera wären für Landschaftsaufnahmen zumeist die bessere Lösung. Aber auch mein iPhone kann das; man übersieht nur zu leicht dass man damit auch ernsthaft Fotos machen kann. Ich habe es bei dieser Reise nicht vergessen.

Lewis

Die Reise führte über Berneray nach Lewis, der nördlichsten Insel der äußeren Hebriden. Unser Hotel nahe dem kleinen Ort Timsgary lag einsam auf einer Anhöhe nahe des bei Ebbe eindrucksvollen Sandstrands Uig Sands. In südlichen Gegenden wäre er mit Badegästen übervölkert, aber hier gab es nichts als Natur. Mit dem Weitwinkel des iPhones eine Aufnahme einer vorbeifliegenden Schar von Wildgänsen machen zu können und nichts als die Flügelschläge zu hören war ein beeindruckendes Naturerlebnis, wie man es in der Heimat vergeblich sucht.

Viktorianisches-Haus-in-Timsgary-Schottland
Mangersta-Beach-Schottland
Landschaft-in-Lewis-Schottland
Lewis-Schottland
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Skye

Skye ist eine Insel der inneren Hebriden. Wie schon in den vorhergehenden Tagen schien permanent die Sonne während es in der Heimat heftig regnete. Was man als Tourist willkommen heißt, sieht man als Fotograf aber eher mit Bedauern. Landschaftsaufnahmen sind unter solchen Bedingungen meist auf die frühe oder späte Tageszeit beschränkt, und als Tourist ist man meist zur falschen Zeit am richtigen Ort. Die Felsformationen am Neist Point und bei Quiraing waren aber ausgeprägt genug, dass selbst zur ungünstigen Mittagszeit Aufnahmen lohnten.

Neist-Point-Skye-Schottland
Quaraing-auf-Skye-Schottland

Highlands

Eilean Donan Castle, eine mit etwas Phantasie wiederaufgebaute Burg im Loch Duich, ist Schottlands meistfotografiertes Motiv und diente auch häufig als Filmkulisse. Als Fotograf fragt man sich, ob man zu den vielen tausenden von Bildern noch eins hinzufügen sollte. Unser Hotel in der Nähe machte es aber möglich, zu später Stunde dort zu sein und zu fotografieren während andere Touristen beim Abendessen saßen. Allein waren wir dennoch nicht; die Midges (kleine, aber unangenehme Stechmücken) mochten den Abend auch. Es hat sich dennoch gelohnt zu dieser späten Stunde dort zu sein. Von dort aus lohnte auch ein Abstecher nach Glenelg. Hier endlich gab es leichten Niselregen, weniger passend zwar für die Wanderung im friedlichen Glean Beagh („The small Glen“), aber genau richtig für die fjordähnliche Landschaft so weit die Straße reichte. Ein Freund, dem ich eine dieser Aufnahmen geschickt hatte kommentierte trocken: „Bei dem Wetter hättest du auch zu Hause bleiben können.“ Ich war aber froh, bei diesem Wetter in Schottland zu sein.

Eilean-Donan-Castle-Schottland
Glenelg-Schottland
Schottland

Mull

Auch die Insel Mull zählt zu den inneren Hebriden. Es heißt oft, die Insel sei ohne Baumbewuchs, aber das hatten wir eher bei den anderen Hebrideninseln so empfunden. Das Foto mit dem Telefonhäuschen zeugt davon; es befindet sich am Ende einer steilen Stichstraße zum kleinen Hafen von Carsaig im Süden der Insel. Häufig frequentiert dürftes es wohl nicht sein; Corsaig hat nämlich gerade einmal drei Anwesen. Es lohnt, die landschaftliche Schönheit durch eine Umrundung Mulls auf teils engen Single-Tracks zu erkunden. Insbesondere die Westküste bietet viele wundervolle Ausblicke, von denen ich einige auf den Fotos festgehalten habe. Auch hier gab es wieder einen herrlichen Sandstrand, bei dem sich trotz Sonnenschein aber nur ein paar ausgelassene Hunde an das kalte Wasser trauten. Es war auch kaum jemand da, der sonst ins Wasser hätte gehen können.

Mull-Schottland
Bucht-in-Mull-Schottland
Regen-in-Mull-Schottland
Fahrt-nach-Mull-Schottland
Hunde-in-Calgary-Schottland
Schafe-in-Mull-Schottland

Ulva

Vor der Westküste von Mull liegt die kleine Insel Ulva. Man kann mit dem Fährmann in fünf Minuten übersetzen und kommt in ein kleines Paradies. Es gibt keine Autos dort und keine Straßen, allenfalls ein Quad ist uns auf den Feldwegen begegnet. Die Insel ist zwar in weiten Teilen kahl und unbewohnt, aber an den Wanderwegen gibt es eine üppige Vegetation voller landschaftlicher Schönheit. Das Bootshaus ist das einzige Restaurant, aber leider waren die Austern schon ausverkauft. Wir sind am nächsten Tag nochmals zu einer Wanderung dorthin gefahren und haben dann statt der Austern Hummer bekommen – kein schlechter Tausch.

Bucht-in-Ulva-Schottland
Bootshaus-Ulva-Schottland
Regen-auf-Ulva-Schottland

Trossachs

Wenn man von Mull nach Edinburgh fährt, kommt man durch den Nationalpark Trossachs. Es ist eine abwechslungsreiche Landschaft, weniger dramatisch als die Inseln aber dafür mit sanftem Grün. Sehenswert sind auch die Architektur Inverarays und das dortige Schloss am Loch Long, einem weit in das Landesinnere reichenden Meeresarm. Killin am Rande der Trossachs war eine Zwischenstation an den Dochart Falls. Obwohl es nur ein kleiner Ort ist, gab es dort auf einer kleinen Rundwanderung einige interessante Fotomotive, nicht nur die Dochart Falls.

Auf-dem-Weg-zu-den-Trossachts-Schottland
Schloss-in-Invarary-Schottland
Haus-in-Inverary-Schottland
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Fluss-in-Killin-Schottland

Edinburgh

Auf dem Weg nach Edinburgh, der letzten Station unserer Reise, bekamen wir doch noch etwas von dem Wetter das die ganze Zeit über eher in Mitteleuropa zu finden war. Es regnete zwar nicht heftig, aber recht beständig. Mit durchgeweichten Schuhen hält man sich dann lieber in Gebäuden auf. Ein paar Fotos von Holyrood und vom Schloss Edinburgh waren in den Regenpausen aber machbar, und für die Silhoette mit dem Schloss am Horizont war das schlechte Wetter wie geschaffen.

Holyrood-Ruine-Edinburgh-Schottland
Holyrood-Park-Schottland
Schloss-Edinburgh-Schottland

The Final Word

Wenn man im Internet unter den Stichwörtern „Schottland“, „Hebriden“ „Uig Sands“ oder „Mull“ nach Bildern sucht findet man sehr viele, aber sie sind anders als diese. Es sind zumeist dokumentarische Fotos, die zeigen wie es dort aussieht, wo man war oder wie schön es dort ist. Und wie schön die Sonne scheint, was sie tatsächlich oft tut. Solche Fotos sind für persönliche Erinnerungen wertvoll, zur Vorbereitung einer Reise, oder weil sie die Schönheit einer Landschaft in ihrer prachtvollen Farbigkeit wiedergeben. Bei meinen Reisen geht es mir aber seit jeher selten um eine dokumentarische Fotografie sondern um Eindrücke, die ich früher mit einem Infrarotfilm viel besser visualisieren konnte als mit normalem Film. Die digitale Fotografie hat diesen Film wie auch vieles andere wertvolle Material verdrängt. Wer aber nach Alternativen sucht, findet auch in der glatten digitalen Welt zu adäquaten Ausdrucksmöglichkeiten. Sie können so nahe liegen wie eine App auf dem iPhone; man muß sich nur dazu überwinden, die ernsthafte Digitalkamera zu Hause zu lassen

Details

Aufnahmen mit Hipstamatic und Mamiya C330