Yorkshire Dales

Die Yorkshire Dales? Viele Mitteleuropäer können damit wenig verbinden, aber für die Engländer sind die Yorkshire Dales wohl so bekannt wie hierzulande der Schwarzwald. Dort wohne ich zwar, aber da ich nordische Landschaften liebe, hat es mich dennoch in die Yorksire Dales gezogen.

Die Yorkshire Dales sind seit 1954 als Nationalpark ausgewiesen. Mit einer Fläche, die etwa 10% von Sachsen ausmacht, ist der Park eigentlich schnell zu erkunden. Es gibt aber so viel Interessantes dort zu sehen, dass meine Tour von 10 Tagen nicht zu reichlich bemessen war.

Die Yorkshire Dales sind ein dünn besiedeltes Gebiet. Bei der Anfahrt von Norden kommt man über viele Kilometer durch so einsame Hochmoor-Landschaften, dass man überrascht ist, so etwas in England überhaupt noch zu finden.

Meine Reise begann im Nordosten und ging dann mit einem großen Bogen zum Süden, dann mit einem weiteren Bogen Richtung Nordwesten. Da das Gebiet nicht groß ist, kann man mit dem Auto von den jeweiligen Standorten viele sehenswerte Orte in kurzer Zeit erreichen.

Richmond

Richmond ist ein kleines Städtchen im Nordosten der Yorkshire Dales. Ein Besuch im Zentrum lohnt, vor allem aber eine Wanderung entlang des River Swale. Dort sieht man zunächst das Richmond Castle, das beherrschend über dem Flußtal thront. Wie überall hier sind die Flüsse noch Flüsse und keine Kanäle, wie man sie hierzulande meist sieht. Selbst in der Nähe der Stadtmitte kann man am Wasserfall schöne Naturaufnahmen machen.

Der Weg führte entlang des Flusses zur Easby Abbey. Eine der weniger bekannten Abtei-Ruinen, aber wie vieles andere hat William Turner auch diese Ruine schon abgebildet. Durch die wenigen Touristen kann man die besondere Atmosphäre dieses Ortes in Ruhe auf sich wirken lassen.

Der Rückweg entlang des Nordufers des Swale war ebenfalls lohnend.

Über West Burton und Aysgarth nach Bainsbridge

Die erste Tour führte zunächst nach West Burton, einem kleinen Ort mit einem schönen Village Green – eine parkähnliche Grünfläche in der Ortsmitte. Von dort sind es nur wenige Meter bis zu den wunderschönen Cauldron Falls.

Im nur wenig entfernten Aysgarth gibt es gleich mehrere Wasserfälle. Den beeindruckenden High Force sieht man bestens schon von der Brücke aus, aber es lohnt auch den Fluß abwärts zu den Middle und Lower Falls zu wandern.

Am späten Nachmittag in Bainsbridge angekommen ging es noch zur Gill Mills Force, kleiner und anders, aber auch sehr einen Besuch wert.

Rundfahrt Gunnerside und Muker

Gunnerside im Swaledale ist vor allem durch seine Wiesen mit den Steinmauern und Steinschuppen bekannt. Es war aber nicht immer eine so liebliche Gegend, denn bis Ende des 19. Jahrhunderts war im Gunnerside Gill Seitental und oberhalb der Wiesen ein Bergbaugebiet für die Gewinnung von Blei. Ruinen wie die der Surrender Smelt Mill und der Old Gang Smelt Mill sind noch übrig geblieben.

In Muker fließt der Swale, der schon auf den Bildern von Richmond zu sehen war, über die Wasserfälle Wain Wath Force und den Kisdon Fall. Wenn man zur Crackpot Hall hochwandert, hat man einen schönen Blick über die Täler.

Über Hawes nach Grassington

In der Nähe von Hawes wollte ich eigentlich die Cotter Force besichtigen, aber dazu muß man durch ein Gasthaus gehen, das den Zugang wegen Fernsehaufnahmen leider gesperrt hatte. Eine kurze Wanderung zur Hardraw Force entschädigte dafür aber vollständig. Es ist ein wundervoller Wasserfall, für den sich an diesem Tag ansonsten offenbar niemand interessierte.

Oberhalb von Buckden hat man einen schönen Blick über die Landschaft. Weiter unten befinden sich kleine Wasserfälle des Cray Gill.

Bei Arncliffe kann man durch Wiesen den Berg hinaufgehen und hat auch von dort einen weiten Blick.

Bei Conistone lohnt ein Aufstieg entlang des Tals ganz besonders. Oben wird man nicht nur mit einem prächtigen Ausblick belohnt sondern auch mit einem besonders schönen Limestone Pavement. Das sind Kalkstein“pflaster“, die durch Erosion der ursprünglich glatten Kalksteinoberfläche entstehen. Bei Conistone haben sich in den Zwischenräumen viele Bäume verankern können, die auf dem kahlen aufgebrochenen Boden recht ungewöhnlich aussehen.

Rundfahrt Embsay und Bolton Abbey

In Nordengland muß man damit rechnen, daß nicht immer bestes Wetter ist. Ich habe deshalb den geplanten Besuch der Embsay Crags ausgelassen, und das Embsay Reservoir war bei diesem Wetter auch wenig einladend.

Bei der Ankunft an der Bolton Abbey war das Wetter aber wieder besser, so dass ich dort auch eine Wanderung entlang des Flusses Wharfe unternehmen konnte. Wie an vielen anderen Stellen in den Yorkshire Dales hat William Turner auch hier gemalt – neben der Bolton Abbey auch einen Blick von oben auf den Fluß (Distant View of Barden Tower on the River Wharfe). Der Barden Tower ist auf meinem Foto allerdings nur schemenhaft zu sehen.

Über Fountains Abbey und Knaresborough nach Harrogate

Die Brimham Rocks sind ein Gebiet mit bemerkenswerten Felsstrukturen. Es ist zwar gut besucht, aber abseits des Zentrums ist es deutlich ruhiger. Auf dem Rundweg befindet sich auch der interessanteste Felsen, den ich bisher gesehen habe. Es ist ein mächtiger Brocken, der aber auf einem winzigen Sockel balanciert.

Ein Highlight der Reise war der Besuch der Fountains Abbey und des weitläufigen Studley Royal Water Garden.

Vor der Ankunft in der Kurstadt Harrogate noch ein Zwischenstopp in Knaresborough, wo eine markante Brücke den Fluß Nidd kreuzt.

Über Malham nach Settle

Von Harrogate im Süden der Reise ging es nun wieder an der westlichen Seite der Yorkshire Dales nach Norden.

Der Almscliffe Rag ist eine kleinere Felsformation, die von der Straße aus weniger interessant erscheint. Es lohnt dennoch, den kurzen Weg hinaufzugehen und neben den Felsen auch einen weiten Blick über die Landschaft zu genießen.

Malham bietet imposante Felsformationen. Auf einer Rundwanderung kommt man zunächst zum Malham Cove, einem mächtigen Kalksteinkessel. Wenn man die Treppen hinaufgestiegen ist, erriecht man oben ein Limestone Pavement, von dem man einen weiten Blick über die Landschaft hat. Es ist allerdings Vorsicht geboten: eine Besucherin war auf den glatten Felsen gestürzt und mußte mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus gebracht werden.

Bei der Weiterwanderung kommt man zum Gordale Scar, einem gewaltigen Felseinschnitt an dessen Ende ein kleinerer Wasserfall zu finden ist.

Der Rückweg führte durch ein schönes Waldgebiet am Janet’s Foss vorbei.

Nach dieser wundervollen Wanderung bin ich noch zum Malham Tarn hinaufgefahren. In der Abenddämmerung bei einem Hang zum Niselregen war es eine verwunschene Stimmung dort. Kaum ein anderer Tourist hat diesen besonderen Eindruck gestört.

Am Abend kam ich im Lion’s Inn an, ein schönes altes englisches Gasthaus, halb Gastwirtschaft, halb Wohnstube. Da ich um Ale lieber einen Bogen mache, freute ich mich um so mehr über ein fruchtiges Aspall Cider, das es dort statt des sonst üblichen Strongbow gab.

Rundfahrt in Settle

Ich fragte den Wirt, ob er weiß wie ich zur Scaleber Force komme. Die kannte er aber nicht, obwohl sie nur etwa zwei Kilometer entfernt ist. Aber andere kannten sie, denn am Einstieg standen mehrere Autos an der Straße. Ich ging den recht steilen Pfad hinunter und war verblüfft, dort unten im Flußbett eine kleine Gruppe von Musikern mit Keyboard zu finden. Sie machten vor dem Wasserfall ein Video des Sängers. Sein Gesang war so urig wie der Wasserfall hinter ihm. Sie waren bald fertig und saßen später mit ihren Instrumenten in der Wiese.

Eine Rundfahrt von Settle aus führte zunächst zu den Lime Works nahe bei Stainforth, ein verlassener Kalkbrennofen. Er ist recht groß und hat unten einen Rundgang, der auch für eine Schulklasse einen Besuch wert war.

Der Fluß Ribble hat in Stainforth eine Stromschnelle, die Stainforth Force.

Von Stainforth aus führt ein ansteigender Feldweg in etwa einem Kilometer zur Catrigg Force. Man sieht den Catrigg Beck zunächst als kleinen Bach in der Wiese und ist dann erstaunt, was für ein Wasserfall sich daraus entwickeln kann. Auf dem Rückweg hat man man einen schönen Blick über die Landschaft

Von dort ist es nicht weit bis zu den Winskill stones, einem kleineren Limestone Pavement. Interessant wird es durch den einsamen Baum, der darauf steht.

Zurück im Lion’s Inn gab es wieder einen Aspall Cider :-).

Rundfahrt Ingleton

Ingleton war die letzte Station in den Yorkshire Dales. Entlang des breiten Tals Richtung Hawes gibt es mehrere Felsabbrüche und Limestone Pavements, die einen Besuch lohnen. Dazu zählen das Southerscales Pavement und der Twistleton Scar, zu denen ein Aufstieg lohnt.

Die lokale Bahn von Carlisle führt in den Yorkshire Dales über einige Vidadukte, wovon der Dent Hill Viaduct am Ende des Tals recht beeindruckend ist.

Bekannt ist Ingleton aber auch durch seine Wasserfälle, die mit einem Rundweg erkundet werden können. Die Wärterin am Eingang fragte besorgt ob ich denn wisse, wie spät es ist, und dass sie ungern noch Leute zu dieser Zeit unterwegs sähe. Im Juni ist es aber recht lange hell in Nordengland, und so war der Rundweg ohne Probleme zu meistern so lange es noch hell war.

York

Zum Abschluß der Reise habe ich noch die hübsche Stadt York südlich der Yorkshire Dales besucht.

Die Stadt läßt sich auf der fast vollständig erhaltenen Wehrmauer leicht umrunden.  Ein Besuch der Innenstadt mit vielen schönen Gebäuden und dem prächtigen Minster ist auch für die geschichtliche Auffrischung interessant: hier wurde Konstantin der Große im Jahr 306 zum Kaiser ausgerufen. Reste römischer Ruinen finden sich im Fundament des Minsters.

Fazit

Wer in seinem Urlaub hauptsächlich am Strand liegen mag, ist in den Yorkshire Dales nicht gut aufgehoben. Nicht nur weil es keinen Strand gibt, sondern auch weil die Temperaturen und das Wetter nicht sonderlich passend wären. Für Naturliebhaber aber ist es eine wunderschöne Landschaft mit vielen Wasserfällen, markanten Felsen und historischen Bauwerken. Nicht umsonst führt auch der bekannte Pennine Way durch die Yorkshire Dales. Man muß aber nicht gleich diesen anspruchsvollen Fernwanderweg absolvieren. Wer schöne Eindrücke mag und gern wandert wird sich auch auf kleinen Touren in den Yorkshire Dales wohl fühlen.

Für technisch Interessierte

Wie meist üblich habe ich fast alle Aufnahmen mit der Hipstamatic-App und einem iPhone (4s) gemacht. Mehr brauche ich meist nicht; das tut ziemlich genau was ich festhalten möchte. Ich hatte auch eine Hasselblad dabei mit Planar 2,8/80, Distagon 4/50 FLE und Tessar 4,5/160 CB. Wie die Aufnahme unten zeigt, kann man auch damit fotografieren, aber nicht so unbeschwert. Oft genug ist es erstaunlich schwierig, den Negativen den Charakter zu entlocken, den ich mit dem iPhone festgehalten habe. Wer trotzdem lieber eine Hasselblad mitnimmt: denken Sie bei längeren Belichtungszeiten an die Spiegelvorauslösung, sonst kann die technische Qualität trotz Stativ selbst mit dem iPhone nicht mithalten.

Details

Eine hierzulande wenig bekannte Landschaft - ganz zu unrecht