Lake District

Eine Reise in eines der schönsten Gebiete Nordenglands.

Vor vielen Jahren hatte ich eine Broschüre über den Lake District gesehen, und seither war es eines jener Ziele, die ich gern besuchen wollte.

Der Lake District befindet sich in der Nähe der schottischen Grenze und ist mit dem Zug erreichbar. Er ist den Briten wohlbekannt, aber ich vermute, die meisten andern Europäer denken, das sei zu weit im Norden und kalt. Das ist nicht ganz richtig, denn ein kurzer Blick auf die Landkarte zeigt, dass der Lake District sich auf der Höhe der Grenze zwischen Deutschland und Dänemark befindet.

Die Schönheit dieses Gebiets lädt zu kleinen Exkursionen und Wanderungen ein, und es ist auch ein Paradies für Fotografen. Die meisten Bilder, die dazu veröffentlicht werden, sind farbig, aber ich mag es, die Stimmung auf andere Weise zu erfassen und arbeite in Schwarzweiß.

Ambleside und die Langdales

Ambleside ist ein kleiner Ort in der Mitte des Lake Districts. Er befindet sich am Nordufer des Windermere Sees und ist ein ausgezeichneter Ausgangspunkt für Tagestouren. Ich habe zwei Bilder in Ambleside aufgenommen. Eines zeigt das ungewöhnliche Bridge House, das von Kurt Schwitters gemalt wurde. Der Dadaist lebte in seinen letzten zwei Jahren in Ambleside, wo im Armitt Museum einige wenige seiner Werke ausgestellt werden.

Beim ersten Ausflug machte ich einen kurzen Stopp am Wasserfall Skelwith Force, nur fünf Kilometer von Ambleside entfernt. Die Straße führt am See Elterwater entlang zum Great Langdale, in dem ich eine schöne Wiesenlandschaft fotografiert habe. Die Straße windet sich hinauf zum Side Pike, der zwar nur 360 m hoch ist, aber einen raueren Eindruck macht als der Schwarzwald, in dem ich wohne. Eine Rundwanderung zum Side Pike eröffnet einen wunderbaren Blick über das Little Langdale mit dem nahegelegenen Bergsee Blea Tarn. Etwas hinter dem Little Langdale Bergsee führt die alte Slaters’ Brücke über den Brathay, der zur vorher besuchten Skelwith Force weiterfließt.

Der Hodge Close Steinbruch war die letzte Station dieses Tages. Um mit dem Auto dorthin zu kommen, muss man einen kleinen Umweg fahren. Es gibt aber auch eine 5 km lange Rundwanderung, welche über die Slaters’ Brücke führt. Die steilen Hänge des Steinbruchs führen weit in die Tiefe – ein Paradies für Kletterer.

Am Abend habe ich das zweite Bild in Ambleside aufgenommen. Scharen von Vögeln saßen auf den Dächern, um plötzlich davonzufliegen und sich kurze Zeit später wieder niederzulassen. Das wiederholte sich ein ums andere Mal. Es war etwas gespenstisch, und ich habe eine Weile damit verbracht ein Bild aufzunehmen, das diese Atmosphäre wiedergibt. Währenddessen kam mir der Song “Birds” von Kari Bremnes in den Sinn – ich mag ihre Stimme und die Botschaft des Texts.

Rydal Water und Grasmere

Der zweite Ausflug führte zunächst nach Rydal Hall mit einem wundervollen Garten, nur fünf Kilometer nördlich von Ambleside. Von dort ist es nicht weit zum Rydal Water, das zu einer Wanderun entlang des Sees einlädt. Nach einigen Eindrücken vom See und den Uferbäumen kam ich am Rydal Cave an. Diese Höhle geht auf den Schieferbergbau zurück, der auch in einigen Strukturen der Felsen sichtbar wird.

Wiederum nicht weit entfernt befindet sich der See von Grasmere. Einige Enten dort mochten die ruhige Szenerie offenbar so sehr wie ich.

Der letzte Stopp war das Moorland Loughrigg Fell mit einer Wanderung zum Bergsee Loughrigg Tarn und einem Blick über die Landschaft.

Eine Kupfermine bei Levers Water, der Wise Een Tarn und Windermere

Ich stellte das Auto ausserhalb von Coniston ab, das etwa 15 km von Ambleside entfernt ist. Der Weg zum See Levers Water entlang der linken Seite des Levers Water Bachs wird am Ende ziemlich unwegsam, aber ein Wasserfall gerade unterhalb des Sees lud zu einem kurzen Zwischenhalt ein. Der Rückweg auf der anderen Seite war wesentlich einfacher und führte an einer verlassenen Kupfermine vorbei. Einige Loren und Werkzeuge sind von der Mine verblieben. Sie hatte eine größeres Netz von Gängen, die 1984 zufällig wiederentdeckt wurden.

Mein Ausflug führte weiter nach Hill Top, einem guten Ausgangspunkt für eine kleine Wanderung zum Bergsee Wise Een Tarn.

Eine Fähre über den See Windermere verkürzt den Weg auf die Ostseite, auf der Bootsausflüge angeboten werden. Es wurde schon langsam dunkel, und das Wetter war nicht sonderlich einladend – aber perfekt zum Fotografieren.

Hallin Fell, Aira Force, Keswick und Derwent Water

Es war an der Zeit, nach Keswick weiterzufahren. Ich habe jedoch nicht den kürzesten Weg genommen sondern einen Umweg entlang des Sees Ullswater. Vom äußeren Ende zweigt in Pooley Bridge eine Stichstraße ab, die entlang der Täler am Ostufer führt. Eine Wanderung auf den Berg Hallin Fell bietet eine wundervolle Rundumsicht. Dazu gehört natürlich Ullswater, aber ich habe dort nicht den See fotografiert sondern das Tal Martindale.

Kurz hinter Ullswater befinden sich die recht bekannten Aira Force Wasserfälle. Pfade auf beiden Seiten des Aira Bachs führen zu den Wasserfällen.

Die Straße führt dann weiter nach Keswick. Es ist ein hübscher Ort am Nordufer des Derwent Water. Ein Spaziergang entlang des Ufers bietet schöne Aussichten auf die Derwent Insel und auf Keswick. Victoria Bay und der Surprise View zeigen, dass der See rundum schöne Eindrücke vermittelt.

.

Schieferbergbau, Innominate Tarn, Buttermere und Crummock Water

Eine Tagestour um Keswick begann bei der Honister Schiefermine. Es ist ein touristischer Ort, an dem Schieferstücke verkauft werden. Von dort führt ein Weg zum Bergsee Innominate Tarn. Der Weg führt zunächst in gerader Linie bergauf bis zur verlassenen Hütte beim Dubs Steinbruch. Etwas weiter bergauf eröffnet sich ein wunderbarer Blick auf die Seen Buttermere und Crummock Water. Wiederum etwas später ist Innominate Tarn auf einer Höhe von 520 m erreicht.

Später am Tag kam ich an Buttermere und Crummock Water vorbei, die beiden Seen, dei ich schon von oben bewundert hatte. Sie verbreiteten eine friedliche Atmosphäre, besonders bei dem tief stehenden Licht kurz vor Sonnenuntergang.

Schlechtes Wetter und der Hardknott Pass

Die Wettervorhersage für den letzten Tag war wenig einladend. Ich hatte die Wahl zwischen dem Risiko, einen Tag am See Wast Water zu vergeuden oder in Keswick zu bleiben. Die Vorhersage war tatsächlich so schlecht, dass davor gewarnt wurde, den Hardknott Pass zu befahren, der sich auf dem Weg nach West Water befindet. Dafür muss man wissen, dass der Pass nur 393 m hoch ist, so dass man versucht ist zu sagen: na und? Der schon von den Römern verwendete Pass ist aber die steilste Straße in England. Mit Steigungen bis zu 30% ist sie auch für Radfahrer eine Herausforderung. Während des Winters ist sie zeitweise wegen Schnee und Eis gesperrt.

Ich habe also die Warnung ernst genommen und bin einen großen Umweg gefahren – nur um festzustellen, dass das Wetter Fotografen und Wanderern tatsächlich nicht freundlich gesinnt war. Ich wäre im Handumdrehen völlig nass geworden und habe deshalb Wast Water ohne Bilder verlassen. Der Regen wurde allerdings etwas weniger, und ich habe deshalb für den Rückweg den Hardknott Pass in Betracht gezogen. Als ich an der Passhöhe ankam, bot die kleine Straße in der nebligen Landschaft einen außergewöhnlichen Anblick. Ich glaube, dass ich mit dem Bild mein Gefühl der Verlassenheit und Einsamkeit treffend festgehalten habe. Die Fotografie kann selbst an Tagen wie diesem außerordentlich lohnend sein! Vielleicht sogar mehr als bei Sonnenschein.

Ich habe noch einen weiteren kurzen Stopp an der Seitenstraße entlang des Flusses Duddon gemacht. Es hat mich wenig überrascht, dass die Stromschnelle bemerkenswert viel Wasser führte..

Fazit

Der Lake Distict ist ein außergewählich schönes Gebiet für Naturliebhaber und Fotografen, was oft das gleiche ist. Ich habe diese Schönheit nicht mit farbigen Bildern illustriert sondern in Schwarzweiss. Ich hoffe, dass sie die Eindrücke, die ich dort gewonnen habe, richtig vermitteln. Und: nein, es sind nicht ständig dunkle schmutzig-graue Wolken dort. Es ist eine liebenswerte, oft auch heitere Landschaft. Ein Besuch dort ist definitiv eine Reise wert.

Für technisch Interessierte

Das ist einfach: ich habe mit der Hipstamatic App meines iPhone 4s fotografiert. Es gibt andere Wege, Landschaften zu fotografieren. Selbst Farbe kann mich zufriedenstellen wie auf de Bildern von Island. So lange es kein HDR ist, zählt alles.

Ein genauerer Blick auf das Bild vom Crummock Water zeigt unten links ein Stativ. Es trägt meine Hasselblad 501 C/M, die ich nicht nur dabei hatte, sondern mit der ich auch fotografiert habe. Sie ist eine viel geeignetere Kamera, wenn es auf wahrheitsgetreue Wiedergabe ankommt, aber das iPhone kann meine Eindrücke besser wiedergeben. Ich belasse es daher bei den iPhone-Bildern.

Details

Eine Reise durch den Lake District im Norden Englands.