Lenovo Yoga A940 – der ultimative PC für Fotografen?

Wow, was für eine Maschine!

Dieser Kommentar ist beinahe unausweichlich, wenn ich den Lenovo A940 einschalte, das Display nach unten schiebe und auf dem Touchscreen zu arbeiten beginne.

Das Gerät hat definitiv einen “must have” Faktor, aber bei einem Preis von 3000 € ist es kein Spontankauf. Wenn man eine Weile damit arbeitet, sieht man die Dinge auch etwas anders, und darüber schreibe ich hier.

Seit vielen Jahren arbeite ich mit einer Dell T3500 Xeon Workstation mit Dell Ultrasharp 27 Zoll Monitor. Es ist ein sehr zuverlässiges Gerät, das nur einmal ein neues Netzteil benötigt hat. Ich habe das Gerät immer etwas angepaßt und modernisiert, zum Beispiel mit 24 GB RAM, einem internen 2×4 TB RAID, einer SSD als Start-Disk, einer geräuschlosen Grafikkarte und einem Wacom Intuos Tablett. Abgesehen vom Platzbedarf für Tastatur und Grafiktablett hatte ich nie das Gefühl etwas anderes zu brauchen. Erst ergonomische Gründe haben mich veranlaßt, mich nach etwas anderem umzusehen.

Lenovo Yoga A 940, Microsoft Surface Studio, Dell Canvas und Wacom Cintiq

Lange Zeit habe ich nur ein Gerät als Ersatz in Erwägung gezogen: das Microsoft Surface Studio. Daß ausgerechnet Microsoft ein innovatives Gerät auf den Markt bringt, hatte mich schon vor Jahren überrascht. Es ist ein All-in-One PC mit großem 28 Zoll Touchscreen, der sich fast komplett nach unten schieben läßt. Damit ist eine Arbeit wie auf einem Zeichenbrett möglich. Das Gerät ist so elegant und gut konzipiert, daß auch Apple das Nachsehen hat. Es hat allerdings auch einiges mit gehobenen Geräten von Apple gemeinsam: es ist kaum bezahlbar, und es ist nicht aufrüstbar. Schon die günstigste Version kostete vor einem halben Jahr über 4000 €, hat aber eine zu limitierte Hardware. Erst die teuerste Variante macht wirklich Sinn, aber dafür waren 5200  € zu berappen. Das war mir für eine geschlossene Box erheblich zu teuer.

Seltsamerweise hat dieses Gerät vorerst keine Nachahmer gefunden. Erst Mitte 2019 brachte Lenovo ein Gerät mit ähnlichem Konzept auf den Markt: das Yoga A940. Es hat ebenfalls einen Touchscreen, der sich für die Arbeit fast flach herunterschieben läßt. Der Bildschirm ist mit 27 Zoll etwas kleiner und hat ein konventionelles 16:9 Seitenverhältnis, während das Microsoft Surface Display ein 3:4 Seitenverhältnis hat und höher ist. Es hat kein Einstellrad für die Platzierung auf dem Bildschirm, aber eines, das sich an der Seite befestigen läßt. Beide Geräte lassen sich per Hand oder mit einem Stift bedienen, mit einer Tastatur oder Maus natürlich auch.

Ich hatte vor dem Kauf des Yoga A940 auch eine andere Lösung in Betracht gezogen: das Dell Canvas 27. Es ist kein eigenständiger PC sondern ähnlich wie die Wacon Cintiq Geräte ein Grafiktablett mit Bildschirm-Arbeitsfläche. Es ist also wie ein reguläres Grafiktablett eine Ergänzung zu einem vorhandenen PC. Auch dieses Gerät besitzt einen 27 Zoll Monitor, liegt aber permanent flach vor dem eigentlichen Monitor. Diese Lösung vermeidet gravierende Nachteile der beiden All-in-One Geräte, nämlich die mangelnde Aufrüstbarkeit und die spiegelnde Oberfläche – mehr dazu unten. Den Kauf eines neuen PC kann man sich damit auch sparen, ebenso wie den damit verbundenen Aufwand, alles neu einzurichten. Obwohl ich meinen Dell PC nach wie vor schätze, habe ich aber diese Lösung verworfen. Das Tablett hat durch eine großzügige Umrandung und die permanente Position vor dem Monitor einen sehr großen Platzbedarf. Auch die parallele Arbeit mit einer Tastatur stelle ich mir hier noch schwieriger vor, als das bei den All-in-One Geräten schon der Fall ist. Wer mit diesen Einschränkungen leben kann, findet hier aber eine überlegenswerte Alternative für den halben Preis – es kostet momentan bei Dell unter 1600 €.

Wer den Platz nicht hat, sollte auch die kleineren Cintiq Grafiktabletts nicht übersehen. Ich arbeite seit Jahren mit einem konventionellen Wacom Tablett und bin damit sehr zufrieden. Wenn ich praktische Erfahrungen mit dem A940 gehabt hätte, wäre meine Wahl vermutlich darauf gefallen.

Das Lenovo Gerät kostet 3000 €, ist also auch ziemlich teuer. Es macht aber Microsoft anscheinend das Leben schwerer, denn die Surface Studio Preise sind seitdem um über 1000  € gesunken. Es kostet aber derzeit in der für mich einzig überlegenswerten Variante immer noch 40 % mehr als das Gerät von Lenovo. Ich habe mir deshalb eines der ersten in Deutschland verfügbaren Yoga A940 Geräte gekauft und arbeite schon eine Weile damit.

Konzept und Design

Der Lenovo Yoga A940 ist wie das Microsoft Surface Studio ein All-in-One Gerät. Bildschirm und PC sind also eine untrennbare Einheit, so daß eine indivduelle Anpassung an die Bedürfnisse schwierig oder gar nicht möglich ist. Derzeit wird auch nur eine Ausführung angeboten. Es entspricht in seiner Ausstattung weitgehend der teuersten Microsoft Surface Variante. Die Unterschiede liegen vor allem in dem etwas kleineren und panorama-ähnlicheren Monitor, einem weniger leistungsfähigen Massenspeicher (Hard Disk statt SSD), einer zusätzlichen Steuermöglichkeit durch das Einstallrad statt durch einen auflegbaren Drehregler, und einer etwas moderneren Prozessor-Variante. Der kleinere und konventionellere Bildschirm des Lenovo A940 scheint zunächst weniger attraktiv zu sein als der größere 3:4 Bildschirm des Surface Studio. Man muß aber für die Menüs noch weiter nach oben greifen als das schon beim Lenovo der Fall ist, und der gestreckte Bildschirm des Lenovo kommt der üblichen seitlichen Anordnung der Bedienelemente in den Bildbearbeitungsprogrammen durchaus entgegen.

Wer das Bild auf dem Monitor in besserer Qualität sehen möchte, findet das bei meinem Shooting-Report mit Anna 🙂

Alle Bauteile des Lenovo A940, die ich gern zugänglich hätte, sind ziemlich unzugänglich eingebaut – nicht viel besser als beim Microsoft-Gerät, bei dem alles komplett unzugänglich ist. Das ist bei beiden Geräten problematisch, weil die Massenspeicher für meine Zweicke zu klein ausgelegt sind. Nur ein Bauteil, das ich lieber eingebaut sähe, ist nicht eingebaut: das voluminöse externe Netzteil. Es ist ein großer und schwerer Klotz, der erst einmal untergebracht werden will.

Das eigentliche Gerät ist solide gebaut und sieht aufgeräumt aus, wenngleich ich nicht ganz nachvollziehen kann, wofür es eine Design-Auszeichnung bekommen hat – aber das ist Geschmackssache. Der Monitor ist an einem Gelenk aufgehängt und läßt sich leicht von der vertikalen Position stufenlos bis zu einem sehr flachen Winkel neigen.

Bildschirm

Bei einer Darstellung von 3.840 x 2.160 Pixeln stellt der UHD-Bildschirm auch sehr feine Details und Schrift ausgezeichnet dar. Allerdings ist die Schriftgröße bei meinem nicht mehr aktuellen Photoshop CS 6 extem klein und kaum noch lesbar. Bei Windows und den anderen Programmen läßt sich die Schriftgröße aber anpassen, so daß man damit bestens arbeiten kann.

Der Bildschirm zeigt die Bilder mit hoher Brillianz, so wie man das sonst von den Apple Geräten und vom Microsoft Surface Studio kennt. Erkauft wird dies allerdings durch eine starke Empfindlichkeit gegen Spiegelungen. Der Bildschirm wird zwar als “Anti Glare” beschrieben, hat jedoch keinerlei Mattierung sondern glänzt. Da er auch nicht erkenntlich entspiegelt ist, reflektiert die Oberfläche stark. Auch das große Foto ganz zu Anfang dieses Beitrags wäre nicht so, wenn ich nicht für die Aufnahme eine große schwarze Platte hinter das Gerät gestellt hätte. Ohne sie spiegelt sich meine häusliche Umgebung darin. Ich habe das Gerät aus diesem Grund erst einmal wieder eingepackt, um es zurückzuschicken. Wegen der ansonsten durchaus vorhandenen Attraktivität habe ich aber mit einiger Überlegung meinen Arbeitsplatz so umgestaltet, dass ich kein Fenster vor oder hinter mir habe. Der Wandhintergrund hinter mir ist tagsüber bei dunklen Bildern trotzdem sichtbar, aber in einem noch tolerablen Bereich. Das linke Bild oben zeigt den Bildschirm wie ich ihn normalerweise  sehe, beim rechten ist ein 8 W Dedolight LED auf den Hintergrund gerichtet. Man sieht hier, daß sich mein Regal im Hintergrund deutlich abbildet. Auch ohne dieses Licht verschwindet das nicht völlig, aber ich kann damit leben.

Das Bild zeigt übrigens auch Anna, aber aus einem anderen Shooting.

Die Hintergrundbeleuchtung ist homogen. Sie ist auch kaum vom Blickwinkel abhängig, so daß auch bei geneigtem Bildschirm keine Abstriche an der Bildqualität gemacht werden müssen.

Der Bildschirm stellt nach Herstellerangaben den Adobe RGB Farbraum vollständig dar, und ich habe keine Zweifel daran, daß das auch zutrifft. Bei der Kalibrierung mit einem X-Rite i1 Photo ergibt sich nur ein minimaler Korrekturbedarf. Falls alle Geräte so gut eingestellt sind, kann man sich die Kalibrierung beinahe sparen.

Ich habe mich in diesem Zusammenhang übrigens noch Mal näher mit der Monitorkalibrierung befaßt. Einer der mir immer unklaren Sachverhalte war die optimale Einstellung der Farbtemperatur. 6500 K? 6000 K? 5500 K? Die Kalibrierungssoftware und auch viele Internetseiten machen hier unklare Angaben. Bei Cambridge in Colour ist erwähnt, daß LCD Bildschirme anders als die früheren Röhrenmonitore zur Änderung der Farbtemperatur den Farbraum einschränken müssen und deshalb am besten die native Farbe gewählt wird. Das leuchtet mir ein, und ich habe es neben einer voreingestellten Farbtemperatur ausprobiert. Es funktioniert bestens und wird künftig bei jeder Monitorkalibrierung so eingestellt.

Touchscreen-Bedienung

In vertikaler Position kann man den Touchscreen mit der Hand bedienen, aber die Maus ist in besserer Reichweite. Ich verwende den Touchscreen deshalb beispielsweise zum Scrollen von Texten oder zum ein- oder Auszoomen, aber für andere Aktionen wie dem Aurufen von Menüs am oberen Bildrand eher die Maus.

In dieser Position ist eine Bedienung mit dem Stift wenig praktikabel, aber in den geneigten Positionen funktioniert dies sehr gut. Um die Reichweite zu minimieren, muß die vordere Kante des geneigten Monitos mit der Schreibtischkante abschließen, und für die Tastatur ist dann kein Platz mehr. Sie läßt sich auf dem Rechnergehäuse ablegen, so daß es auch bei der Bedienung mit Touchscreen oder Stift aufgeräumt aussieht. Wer im Wechsel mit Tastatur und Touchscreen arbeitet, muß den Bildschirm allerdings häufig zum Verstauen bzw. Hervorholen der Tastatur hin- und her bewegen. Das ist viel Aktionismus für unter Umständen nur einen Buchstaben. Statt der Tastatur kann man auch die On-Screen Tastatur aufrufen. Ich arbeite nicht gern damit, aber um wenige Zeichen einzugeben erspare ich mir manchmal das Manöver mit der realen Tastatur. Wenn man sich mit einem geringen Neigungswinkel begnügt kann man auch die Tastatur so wie oben gezeigt etwas nach vorn ziehen und sie so zumindest teilweise benutzen. Eine komfortable Arbeit mit dem Stift erfordert aber einen stärkeren Neigungswinkel, der mit dieser Alternative nicht realisierbar ist.

Die Anforderung an die Rechnerposition für die Arbeit mit dem Stift bedeutet auch, daß der Monitor in aufrechter Position sehr viel näher am Benutzer steht als üblich – er befindet sich nur 24 cm hinter der Schreibtischkante. Es ist gerade noch Platz für die schmale Tastatur. Das ist ungewohnt, aber mir gefällt es ausgesprochen gut – zumal der Monitor bei der geringen Distanz noch größer wirkt als er eigentlich ist.

Der Touchscreen reagiert manchmal auf die Auflage des Handballens, aber ich sehe es nicht als ernsthafte Einschränkung der Arbeit mit dem Stift.

In zwei Punkten unterscheidet sich die Arbeit mit dem Stift von der mit einem Grafiktablett:

Zum einen überträgt beim Tablett das Hirn die Position der Hand auf den Bildschirm, wärend sie beim Touchscreen tatsächlich dort ist. Sie verdeckt also teilweise angrenzende Bildbereiche, die es zu retuschieren gilt. Bei feinen Arbeiten ist dies sogar mit der Stiftspitze störend. Eine exakte Positioinierung der Spitze erfordert einen Betrachtungswinkel, wie er zum Kalibrieren verwendet worden ist. Andere Blickwinkel führen durch die Distanz zwischen Touchscreen-Glas und dem deutlich dahinter liegenden LCD wie auf den Beispielbildern zu perspektivisch bedingten kleinen Abweichungen. Meine Arbeit beeinträchtigt dies nicht.

Zum anderen sind die Armbewegungen bei der Arbeit erheblich größer, und der Arm muß angehoben werden. Insbesondere bei der Auswahl von Menüpunkten ist dies nachteilig. Rechtshänder müssen die Hand nicht nur nach oben bewegen sondern in die linke obere  Ecke. Erwähnenswert ist hier aber, daß beim Microsoft Surface Studio die Oberkante des Displays nochmals weiter oben liegt.

Bei manchen Programmen wie Affinity Photo (das ich sehr schätze) sind auch häufig verwendete Einstellungen wie die Stiftgröße, Weichheit und Deckkraft dort zu finden. Die Arbeit auf dem Touchscreen ist daher deutlich anstrengender als auf einem Grafiktablett.

Bei den meisten Programmen funktioniert die Stifteingabe wie eine druckempfindliche Maus – aber nicht bei allen. Capture One zum Beispiel läßt bei der Verwendung des Radialfilters häufig ein Fenster mit Erklärungen stehen, und es läßt sich erst durch einen Klick auf andere Bildbereiche wieder entfernen. Bei Affinity Photo werden Pinselgrößen zumeist nicht angezeigt, was die Arbeit stark beeinträchtigt.

Das gezeigte Bild ist bei einer Reise nach Island entstanden.

Maus und Tastatur

Die Tastatur ist durch einen Dongle drahtlos mit dem PC verbunden. Dadurch wird leider einer der raren USB-Steckplätze belegt. Sie ist durch einen eingabauten Akku betrieben, der nur selten über einen USB-Anschluß wieder aufgeladen werden muß. Er wird eine Weile halten, aber da er nicht austauschbar ist, werde ich irgendwann die Tastatur zum Service schicken oder mir eine neue kaufen müssen. Sie ist sehr dünn, aber solide gebaut mit einem für mich angenehmen Anschlagsgefühl. Störender ist die sehr flache Ausrichtung ohne die Möglichkeit, den Neigungswinkel durch Stellfüße zu ändern. Sie ist so flach und dünn, damit man sie zum Verstauen auf den PC legen kann. Das ist wegen des neigbaren Displays wie oben schon erwähnt auch häufig notwendig.

Die Tastatur hat keine beleuchteten Tasten. Unten im Bildschirm sind LEDs eingebaut, aber sie beleuchten nur die oberste Reihe und auch nur ein Viertel der Tastaturbreite. Mit einer besseren Anordnung der LEDs hätten sie einen Nutzen, den sie momentan nicht haben.

Die Maus ist ebenfalls über den Dongle drahtlos angebunden. Es ist eine konventionelle zwei-Tasten Maus mit Scrollrad. Die AAA-Batterien sind austauschbar. Viele arbeiten täglich mit solchen Geräten, aber für mich ist es eine ergonomische Katastrophe. Schon nach kurzer Zeit schmerzt durch die unnatürliche Handhaltung das Handgelenk und macht die Arbeit am PC unmöglich. Ich verwende deshalb seit langem eine ungewöhnliche Alternative von 3M, die zwar nicht ganz so gut kontrollierbar aber weit ergonomischer ist. Ich verwende sie auch am Lenovo A940, aber da meine kabelgebunden ist, belegt sie einen weiteren USB-Steckplatz. Sie steht durch die Rechnerposition ebenfalls sehr dicht am vorderen Schreibtischrand und ist mir schon mehrfach heruntergefallen. Nach jahrelanger problemloser Arbeit mit meinem Dell Rechner hat sie jetzt einen Gehäuseschaden. Das Kabel klemme ich mittlerweile rechts unter den Rechner, so daß sie nicht nochmals herunterfallen kann.

Stift

Zum Lieferumfang gehört ein Lenovo Base Pen II Digitalisierstift. Er arbeitet mit einer dünnen AAAA Batterie, die lange hält, von der man aber doch eine Reserve vefürgbar haben sollte. Er läßt sich gut handhaben und genau führen. Die beiden Tasten sind aber aber leider nur marginal programmierbar, so daß sie anders als bei einem Wacom Stift nicht mit speziellen Funktionen belegt werden können. Das führt bei meiner Arbeitsumgebung zu einem beträchtlichen Problem: bei Affinity Photo benötigt die Einstellung von Pinselgröße und -Weichheit einen Klick auf beide Tasten, was mit diesem Stift nicht geht. Ich kann diese wichtigen Einstellungen daher nur über Eingabefelder ändern. Da wie oben erwähnt auch die Pinselgröße nicht angezeigt wird, endet das in einem mühsamen Ratespiel.

Lenovo bietet für die Laptops den Active Pen 2 Stift an, der nicht nur mehr Druckpunkte besitzt sondern auch besser programmierbar ist. Da man mir bei Lenovo nicht sagen konnte, ob er mit dem Yoga A940 funktioniert, aber ich habe ihn mir kommen lassen. Er funktioniert zwar als Stift, aber die Programmierung benötigt Wacom Software, die nur mit den Lenovo Laptops funktioniert. Warum Lenovo für den besten Stift kein Software Update entwickelt, um ihn an deren Top-Gerät verwenden zu können ist mir rätselhaft.

Einstellrad (Dial)

Auf halber Höhe des Bildschirms kann man über eine USB-Steckverbindung eine Funktionseinheit mit zwei Drehreglern und einer Taste einstecken. Der Gedanke dahinter ist, über die beiden Drehregler verschiedene Aktionen steuern zu können, wie zum Beispiel Pinselgröße, Bildgröße oder sonstiges. Je nach Applikation, mit der diese Drehregler arbeiten, schaltet die Beleuchtung auf verschiedene Farben um.

Wer nun erwartet, daß diese Drehregler wie bei Wacom frei programmiert werden können, irrt sich leider. Es gibt zwar eine Applikation namens Dial Assist, aber sie ermöglicht nur die Auswahl zwischen einigen Adobe und Microsoft Office Programmen. Bei denen kann dann auch festgelegt werden, was die Drehregler bewirken. Bei allen anderen Programmen muß man mit marginalen Funktionen wie Bildlauf oder Vergrößern/Verkleinern vorlieb nehmen. Mit Affinity Photo geht nichts anderes, ebenso auch mit Capture One. Da dies meine Hauptprogramme sind, zeigt der Farbindikator immer weiß –  weil er nämlich damit keine spezifische Steuerung ermöglicht. Hier besteht dringender Revisionsbedarf seitens Lenovo.

Darüber hinaus sollte der Drehregler besser am unteren Bildschirmrand positioniert sein. Das muß mich aber nicht stören, weil ich ihn ohnehin nicht nutzen kann.

Speicher

Schon vor dem Kauf des Gerätes war mir klar, daß die Hardware zu knapp bemessen ist. Die SSD ist mit 500 GB für das System ausreichend, aber für eine nennenswerte Menge an Daten ist dort kein Platz. Ich benutze diese SSD für Datein, die von einem schnellen Zugriff profitieren: die Lightroom- und Capture One Kataloge sowie Scratch-Dateien.

Auch die interne Hard Disk ist mit 2TB für meine Bild-Dateien zu klein. Die eingebaute Platte ist eine Seagate ST2000LM007, eine 2,5 Zoll Festplatte mit 7 mm Bauhöhe. Das Microsoft Surface Studio besitzt eine m.2 SSD mit 1 oder 2 TB, die erheblich schneller sein dürfte als die Lenovo Hard Disk. Auch die größere ist mir aber zu klein und nicht austauschbar. Bei Lenovo kann sie im Prinzip getauscht werden, aber obwohl Lenovo mit der Erweiterbarkeit des Gerätes wirbt: im Gegensatz zu meinem alten Dell PC ist der Austausch nicht trivial. Einen Blick in das Hardware Manual klärt darüber auf. Bei meinem alten Gerät konnte ich mit einem Handgriff die Seitenplatte öffnen, mit einem zweiten die unmittelbar zugängliche Hard Disk tauschen – ohne jeden Schraubenzieher. Das ist jetzt eher ein Fall für den Servicetechniker, wenn denn überhaupt eine größere Festplatte unterzubringen ist.

Es gibt nur wenige 2,5-Zoll laufwerke mit höherer Kapazität, und zumindest die Seagate 4TB Platte hat eine Bauhöhe von 15 mm. Sie paßt möglicherweise nicht hinein und kostet mehr als die Hälfte einer 4 TB SSD, die dann wohl die bessere Alternative wäre. Ich habe die eingebaute Hard Disk aber nicht getauscht sondern verwende sie nur für reguläre Daten. Die Bilder sind auf einer externen 4 TB 3,5 Zoll Disk gespeichert, die über die USB-C Schnittstelle angeschlossen ist.

Diese Lösung hat Vor- und Nachteile. Zum einen kann ich in mein Doppel-Laufwerksgehäuse auch eine zweite Hard-Disk für die Backups einstecken. Da es einfach zu öffnen ist, kann ich diese zweite HD leicht im Turnus wechseln, so daß ich immer nur eine Version angebunden habe. Auf der anderen Seite verlieren die Laufwerke aber ihre Zuordnung, wenn ich vor dem Einschalten des PC eine Speicherkarte eingesteckt ist. Das kann leicht passieren, wenn man vergißt sie nach dem Einlesen von Bildern zu entfernen. Computer-Experten mögen wiessen wie man die Laufwerke permanent zuordnet. Ich kann mich darauf einrichten, weniger aber auf die zusätzlichen Laufwerksgeräusche, die nicht wie früher bei meinem Dell unter dem Tisch sind sondern direkt neben dem PC. Sie sind nicht wirklich laut, aber wenn man den PC ausschaltet oder die Laufwerke in den Ruhezustand gehen, realisiert man, daß man ständig mit einem wenn auch niedrigen Geräuschpegel zu tun hat.

Der Arbeitsspeicher des Lenovo ist mit 32 GB großzügig bemessen, mehr benötige ich für meine Zwecke nicht.

Anschlüsse

Der Rechner besitzt im Sockel zwei Anschlußbereiche. Auf der linken Seite befinden sich ein USB 3.1 (Gen. 1) Typ C mit Thunderbolt 3, ein USB 3.1 (Gen. 2) Typ A, ein SD-Kartenleser und ein Audioanschluß. Weil die linke Seite schlecht einsehbar und das Gehäuse aus schwarzem Metall ist, schabt man bei der Suche nach der Steckverbindung mit dem Stecker auf dem Metall herum. Das hinterläßt zwar bisher keine Kratzspuren, ist aber dennoch unangenehm.

Die übrigen Anschlüsse befinden sich auf der Rückseite. Dies sind der Netzteil-Anschluß, Gigabit Ethernet (RJ45), HDMI und vier USB 3.1 (Gen. 1) Typ A. Das sind für meinen Bedarf zu wenige Anschlüsse. Ich habe deshalb ein USB 3 Hub angeschlossen, das leider auch wieder ein eigenes Steckernetzteil benötigt und zum Kabelwirrwarr beiträgt. Manche Geräte wie etwa mein Epson-Scanner mögen auch keinen Anschluß über einen Hub.

Bei meinem alten Dell PC waren zwei USB Anschlüsse vorn zugänglich, und alle anderen permanent benötigten Anschlüsse auf der Rückseite – durch Karteneinschübe erweiterbar wenn es nicht reicht. So aufgeräumt geht es leider nicht mehr zu. Immerhin habe ich jetzt einen Kartenleser, den ich früher nicht hatte.

Geräuschpegel

Der Yoga A940 arbeitet fast geräuschlos – wenn er wenig zu tun hat. Schon kleine Aufgaben wie das Einlesen von Bildern in einer Capture One Session oder das Exportieren mehrer Bilder führen zu einem starken Anstieg des Geräuschpegels durch den Lüfter.  Das sind meist nur kurze Zeitspannen und ich kann damit leben.

Erwähnen möchte ich auch, daß für große Mengen an Bilddateien externe Festplatten erforderlich sind, die zusätzlich für Geräusche sorgen. Es lohnt sich, beim Kauf dieser Platten und Gehäuse auf das Geräuschniveau zu achten.

Gerätevarianten

Wie oben schon erwähnt, gibt es nur die hier beschriebene Gerätevariante – in Deutschland.

Wer das Angebot in den USA prüft, findet dort auch andere Varianten. Alle sind grundsätzlich wie das hier beschriebene Modell, unterscheiden sich aber bezüglich Prozessor und Speicher:

Prozessor RAM HD1 HD2 Preis (USD)
I5-8400 16 GB 1 TB SSD 2 TB HD 3200
I5-8400 32 GB 2 TB SSD 3400
I7-8700 16 TB 256 GB SSD 1 TB HD 2240
I7-8700 32 TB 1 TB SSD 3500
I7-8700 32 TB 2 TB SSD 3600
I7-8700 32 TB 1 TB SSD 2 TB HD 3600
I7-8700 32 TB 4 TB SSD 4000
I7-8700 32 TB 8 TB SSD 4600

 

Zum Vergleich das hier beschriebene Gerät:

I7-8700 32 TB 512 GB SSD 2 TB HD 3000 €

Mittlerweile ist die SSD dieses Geräts seitens Lenovo auf 1 GB aufgerüstet, entspricht also einer der in den USA erhältlichen Versionen. Warum Lenovo den deutschen Käufern die Vielzahl der anderen Modelle vorenthält ist mir ebenso rätselhaft wie manch anderes rund um dieses Gerät. Ich habe den Eindruck, daß es ziemlich stiefmütterlich behandelt wird.

Fazit

Der Lenovo Yoga A940 beeindruckt jeden Betrachter, sowohl was die Bilddarstellung als auch die Handhabung mit Touchscreen und neigbarem Monitor betrifft. Allein der Preis schreckt von einem Spontankauf ab.

Eine Investition dieser Höhe erforderte auch von meiner Seite gründliche Überlegung. Mehr als eine gehobene Digitalkamera kostet der A940 aber auch nicht, und es ist ein Gerät mit dem ich täglich einige Stunden arbeite. Ergonomische Überlegungen und eine einwandfreie Bilddarstellung haben da oberste Priorität.

Das Lenovo-Gerät hat zweifellos ein attraktives Display, aber die starke Spiegelung erfordert einen Arbeitsplatz mit dem dies minimiert werden kann. Ich habe dafür eine akzeptable Lösung gefunden, aber wer ein Fenster vor sich oder im Rücken hat, wird mit diesem Bildschirm nur glücklich werden, wenn es dunkel ist.

Die Arbeit mit dem Touchscreen und Stift scheint zunächst einmal sehr attraktiv. Sie erfordert aber durch den großen Bildschirm viel weitere Armbewegungen als ein Grafiktablett. Es kommt noch hinzu, daß Stift und Hand Teile der Arbeitsbereiche verdecken, was bei einem Grafiktablett nicht der Fall ist.

Auch der neigbare Monitor ist zwar attraktiv, aber bei geneigtem Monitor ist eine Verwendung der Tastatur mit einigem Umstand verbunden, selbst wenn man nur einen einzelnen Buchstaben tippen möchte. Der Verwendung von Shortcuts sind daher enge Grenzen gesetzt. Dafür gibt es eine recht gute Hardware-Lösung, über die ich separat berichte.

Weitere Wermutstropfen sind die schwierige Erweitungsmöglichkeite sowie mangelnde Programmierbarkeit des Stifts und des Drehrads. Ich verstehe nicht, warum Lenovo dem Gerät nicht mehr Aufmerksamkeit widmet, aber ich kann es nur zur Kenntnis nehmen.

Alles in allem ist der Lenovo Yoga A940 ein Gerät, das zwar attraktive Seiten hat, das ich aber angesichts des hohen Preises und einer Reihe von Schwachpunkten nicht uneingeschränkt empfehlen würde. Wer mit den Einschränkungen leben kann wird wie ich damit arbeiten und darauf hoffen, daß auch für Fotografen wichtige Programme wie Capture One und Affinity Photo die Hardware-Fähigkeiten dieses Geräts in absehbarer Zeit besser nutzen.

Mein alter Dell PC steht jetzt in meinem Studio und dient tethered Shooting und als Server für den Drucker und meine Scanner. Wenn ich ihn einschalte, auf das matte Display schaue und mit dem Wacom Tablett zu arbeiten beginne, denke ich: was für eine Maschine!

Disclaimer

Ich stelle diese Information zur Verfügung weil ich gern fotografiere und weil sie nützlich sein kann. Ich habe keine kommerziellen Verbindungen zu einem der Hersteller der in diesem Artikel erwähnten Produkte oder zu deren Verkäufern. Der PC und alle Zuberhörteile sind mein persönliches Eigentum.