Sinar P2

Als ich in den 80er Jahren bei einem Institutsfotografen zum ersten Mal eine Sinar P gesehen habe, war ich beeindruckt. Auch ohne sie anzufassen – das hätte ich nie gewagt – vermittelte die Kamera mit ihrem glänzenden Aluminium und den vielen Drehknöpfen den Eindruck eines ebenso hochwertigen wie komplizierten Präzisionsgeräts. Tatsächlich galt die Kamera zu jener Zeit als der Rolls Royce unter den Grossformatkameras, nicht nur wegen des stolzen Preises von ca. 8000 USD im Jahr 2007 für das 4×5 Inch Modell – zuzüglich Verschluss und Objektiv. Der Gesamtpreis der Kamera lag bei etwa 14000 USD. Die besondere Stellung dieser Kamera hat aber weniger mit diesen Eigenschaften zu tun als vielmehr mit dem ausgeklügelten und innovativen Konzept, das Herr Koch in der Schweiz realisiert hat. Weil es daran nicht viel zu verbessern gab, unterscheidet sich das Nachfolgemodell P2 nur wenig von der Sinar P. Sie ist durch ihre schwarze Lackierung dennoch leicht vom Vorgängermodell zu unterscheiden.

Modulare Konstruktion

Die Sinar P2 ist eine große und schwere Kamera – sehr viel mehr als die Linhof Technika, die Aufnahmen in gleicher Größe liefert. Beide Kameras verfolgen aber unterschiedliche Konzepte und sind für bestimmte Einsatzbereiche besser geeignet, für andere weniger. Während die Linhof Technika für den Einsatz unterwegs konzipiert ist, stellt die Sinar P2 eher eine ausgeprägte Studiokamera dar.

Die Sinar P2 ist eine modular aufgebaute Kamera, die sich durch entsprechende Formatrahmen und Balgen für die Aufnahmeformate 4×5, 5×7 oder 8×10 inch bzw. die europäischen Pendents 9×12, 13×18 und 18×24 cm einsetzen läßt. Die Modularität beschränkt sich nicht nur auf die Aufnahmeformate sondern erstreckt sich auch auf andere Kameras des Sinar Systems.

Die Sinar X entspricht weitgehend der P2 4×5, hat aber Einschränkungen für den Umbau auf andere Formate.

Die Modelle F1 und F2 unterscheiden sich durch einfachere Standarten und sind entsprechend kostengünstiger. Die F1 kostete 2007 1600 USD, die F2 2700 USD, also etwa ein fünftel bzw. ein drittel der P2.

Fast alle Systemteile lassen sich mit jedem dieser Kameramodelle verwenden, vieles sogar für das Vorgängermodell Norma. Zu den Ausnahmen gehören allerdings die Formatrahmen der P2, die an den anderen Modellen nicht verwendet werden können. Für die F2 ist immerhin ein Austausch gegen eine komplette Rückstandarte des entsprechenden Formats möglich.

Es gab von Sinar auch das Hybridmodell C2, das die Rückstandarte der P2 besaß und eine Frontstandarte der F2. Meine Kamera war ursprünglich eine C2 für das Format 8×10. Ich habe sie später durch einen Austausch der Frontstandarte auf eine P2 umgerüstet und mit Formatrahmen und Balgen für 4×5 und 5×7 ergänzt.

Ein Umbau für digitale Zwecke ist mit den Formatrahmen der P3 ebenfalls möglich. Ich vermute allerdings, dass die P3 wegen der feineren Triebe dafür besser geeignet ist.

Einsatzbereich

Die Bezeichnung „Sinar“ ist ein Akronym der Einsatzbereiche, für die diese Kameras verwendbar sein sollen: Studio – Industrie – Natur – Architektur – Reproduktion. Das mag für einige Sinar Modelle zutreffen, aber die Sinar P2 ist selbst in der kleinsten Ausbaustufe nicht nur gross und schwer sondern auch empfindlich. Ich setze die Kamera zwar gelegentlich auch draussen ein, aber den eigentlichen Einsatzbereich sehe ich im Studio. Das betrifft nicht nur Sachfotografie, sondern auch die Mode- und Portraitfotografie. Richard Avedon hat zum Beispiel das Vorgängermodell Norma im Format 8×10 für seine Portraitfotografien verwendet.

Die Sinar P2 ist eine Kamera auf optischer Bank. Diese Bank ist durch Rohrstücke beliebig verlängerbar und kann neben den Hauptstandarten auch Hilfsstandarten aufnehmen, beispielsweise zur Balgenverlängerung oder zur Befestigung eines Kompendiums. Auch bei dem größten Format ist somit der Verwendung langer Brennweiten keine Grenze gesetzt.

Reinhard Wolf hat mit der konzeptionell ähnlichen Sinar Norma bei seinen berühmten Fotografien von New York mit so langen Brennweiten gearbeitet, dass er zwei Stative eingesetzt hat.

Auch im Weitwinkelbereich gibt es keine Einschränkungen. Die Standard-Balgen der jeweiligen Formate können gegen Weitwinkel-Balgen ausgetauscht werden. Das Super-Angulon 5,6/58 kann noch auf einer flachen Platine verwendet werden, für kürzere Brennweiten sind versenkte Platinen notwendig.

DB-Objektive und Hinterlinsenverschluß

Die Sinar-Platinen sind quadratisch im Format 14×14 cm und können mit allen üblichen Objektiven bestückt werden. Für starke Weitwinkelobjektive gibt es auch versenkte Platinen.

Die Sinar Kameras können mit einem Hinterlinsenverschluß ausgestattet werden, der auch die Blendensteuerung der dafür ausgelegten Objektive übernimmt. Diese Druckblenden-(DB-)Objektive besitzen zwar eine Blende, aber weder eine eigene Einstellmöglichkeit dafür noch einen Verschluß. Sie sind deswegen deutlich kostengünstiger, können aber nur zusammen mit dem Hinterlinsenverschluß verwendet werden.

Der Verschluß kann auf Verschlußzeiten von 8 Sekunden bis 1/60 Sekunde eingestellt werden, zuzüglich B. Der Blendenbereich ist 5,6-45, bei neuen Verschlussversionen Blende 4-45. Manche DB-Objektive wie das gezeigte Sinaron S 6,8/360 besitzen zusätzlich auch eine manuelle Blendensteuerung, mit der die Blende weiter geschlossen werden kann als die Einstellung am Verschluss ermöglicht (DBM-Objektive).

Der Hinterlinsenverschluß bietet einige Vorteile:

  • Blende und Verschluß sind von hinten einstell- und ablesbar.
  • Der Verschluss ist selbstspannend.
  • Wenn der Verschluß geöffnet wird, ist auch die Blende voll geöffnet. Mit dem Kabelauslöser kann aber die Blende zur Schärfentiefenkontrolle und zur Prüfung auf Vignettierung auf den eingestellten Wert geschlossen werden.
  • Wenn ein Automatik-Kabel zum Rückteil angeschlossen ist, wird der Verschluss mit dem Einschieben der Kassette automatisch in Aufnahmebereitschaft versetzt.
  • Die Objektive können gewechselt werden, ohne Blende und Zeit neu einstellen zu müssen oder Auslöser und Synchronkabel umzustecken.
  • Es können andere Objektive mit einem Linsendurchmesser bis zu 75 mm eingesetzt werden, zum Beispiel konventionelle Objektive oder historische Objektive ohne Verschluß. Die Öffnung ist größer als bei einem Compound 5 Verschluss. Um genügend Abstand zum Verschluß zu gewinnen, muß unter Umständen eine Platine mit kleinem Tubusvorbau eingesetzt werden .

Mit dem Hinterlinsenverschluß kann man durch diese Eigenschaften deutlich komfortabler, schneller und sicherer arbeiten als mit konventionellen Objektiven. Insbesondere wer Personenaufnahmen mit geringer Schärfentiefe machen möchte, wird die erheblich verkürzte Dauer zwischen Fokussierung und Aufnahme zu schätzen wissen. Bei Offenblende fokussieren – Kassette einschieben und Schieber ziehen – auslösen. So schnell und einfach geht es mit keinem anderen Verschluß.

An Nachteilen sehe ich:

  • Der Verschluß kann nur mit Objektiven auf flacher Platine verwendet werden; die kürzeste Brennweite ist 65 mm
  • 1/60 s als kürzeste Verschlußzeit ist bei kontinuierlichem Licht reichlich lang, sowohl was bewegte Motive angeht wie auch die Gestaltungsmöglichkeiten mit der Schärfentiefe.
  • Die speziell für diesen Verschluß ausgelegten Objektive können nicht an anderen Kameras verwendet werden.
  • Der Verschluss arbeitet ziemlich laut, aber das ist bei seiner Größe nachvollziehbar.

Die Sinar-Objektive wurden von Rodenstock hergestellt und haben entsprechende Pendents:

  • Sinaron S: Apo-Sironar N (weißer Ring)
  • Sinaron SE: Apo-Sironar S (roter Ring)
  • Sinaron WS: Apo-Sironar-W
  • Sinaron W: Grandagon-N (grüner Ring)
  • Sinaron WE: Apo-Grandagon (grüner Ring)
  • Macro-Sinaron: Makro-Sironar
  • Macro-Sinaron SE: Apo-Makro-Sironar (orangefarbener Ring)
  • Apo-Sinaron: Apo-Ronar

Die farbigen Ringe sind nur bei neueren Ausführungen vorhanden.

Kompendien

Aus dem Standardbalgen, zwei Clips und einem sechseckigen Haltestab kann man ein einfaches Kompendium zusammensetzen. Neben geraden Haltestäben in verschiedenen Längen gibt es auch einen verstellbaren Stab, wie in einer Abbildung weiter unten gezeigt.

Wer eine Kompendiummaske einsetzen möchte, benötigt dafür eine Hilfsstandarte (die identisch ist mit der Frontstandarte der F1). Auf der Vorderseite wird die Maske eingesetzt, auf der Rückseite der Standardbalgen mit nur einem Clip und einem kürzeren Haltestab. Es gibt zwei verschiedene Kompendiummasken. Die hier gezeigte ist durch verstellbare Masken so einstellbar, daß sie genau das Bildfeld freigibt. Die Einstellung erfolgt von der Mattscheibenseite aus durch die vier Einstellräder an den Ecken des Kompendiums.

Rückteile

Die Mattscheiben besitzen ausgesparte Ecken. Sie dienen dazu, mögliche Vignettierungen und die Einstellung der Kompendiummaske zu überprüfen. Dazu sieht man durch die Ecke auf die Rückseite des abgeblendeten Objektivs. Wenn die Blendenöffnung von jeder Ecke ganz sichtbar ist, ist die Abbildung vignettierungsfrei. Auch die Kompendium-Maske läßt sich mit dieser Methode genau einstellen. Bei der gezeigten 4×5 Mattscheibe liegen die Ecken innerhalb des Bildfelds, während sie bei den größeren Formaten außerhalb des Bildfelds liegen.

Das 4×5-Rückteil ist mit einem Graflok Adapter ausgestattet, so dass es mit den entsprechenden Polaroid-Kassetten und Rollfilmadaptern verwendet werden kann.

Für Rollfilme gibt es von Sinar Einschubkassetten, die zwar größer aber schneller einsatzbereit sind als Graflok-Kassetten. Die Abbildung zeigt die Zoom-Kassette, die auch zwischen den Aufnahmen auf die Formate 4,5×6, 6×6, 6×7, 6×9 und 6×12 umgestellt werden kann. Die Rückstellung ist allerdings mit Filmverlust verbunden, so daß man die Umstellung möglichst vermeiden wird. Es ist deswegen kein wesentlicher Nachteil, stattdessen die einfachere Vario-Kassette zu verwenden, die ebenfalls verstellbar ist, aber keine Umstellung zwischen den Aufnahmen ermöglicht. Der entsprechende Bildausschnitt wird über eine verstellbare Maske eingestellt.

Neben diesen beiden verstellbaren Kassetten gibt es auch Kassetten mit fest eingestellten Formaten.

Für Formatumstellungen auf 5×7 oder 8×10 sind jeweils drei Teile notwendig:

  • ein Formatrahmen, der auf dem Trägerblock befestigt wird
  • ein Balgen entsprechender Größe.
  • ein passendes Rückteil. Diese Rückteile sind für Hoch- und Querformat umsteckbar, und es gibt für 8×10 zwei Versionen. Eine ist mit einer Aufnahme für einen Meßfühler ausgestattet, die andere nicht.

Die P2 8×10 ist zudem mit einem stabileren Bankhalter ausgestattet. Er hat wie in den Abbildungen zu sehen oben eine zusätzliche Metallklammer und kann natürlich auch für die kleineren Formate eingesetzt werden.

Die Objektivstandarte ist für alle Format gleich.

Meßfühler

Rückteile für Meßfühler können mit dem Sinar Booster verwendet werden. Dies ist ein Belichtungsmesser-Sensor, der auf jede Position der Mattscheibe bewegt und dort arretiert werden kann. Damit ist eine exakte Punktmessung möglich, die alle Auszugs- und Filterfaktoren berücksichtigt. Der entsprechende Belichtungsmesser (z.B. Minolta Flashmeter V) kann an den seitlichen Aufnahmen des Rückteils befestigt werden. Die Arbeit mit dem Booster ist jedoch eher umständlich, so dass ich ihn selten benutze.

Verstellmechanismen

Die Kamera ist selbstverständlich mit allen Verstellmöglichkeiten für die vertikale und horizontale Verschiebung und Schwenkung ausgestattet. Zehn Verstellmöglichkeiten (je fünf für die Front- und Rückstandarte) besitzen einen selbsthemmenden Feintrieb, so dass eine Arretierung nicht notwendig ist. Wer nicht ständig mit der Kamera arbeitet, kann allerdings schnell verwechseln, welcher Knopf was bewirkt, so daß eine unbeabsichtigte Verstellung leicht möglich ist.

Neben den Feintrieben besitzt die Kamera noch vier Klemmungen, von denen je zwei der Verschiebung und der Basisneigung der Standarten dienen. Die Basisneigung der hinteren Standarte kann man durch Hebelwirkung beim Einschieben der Kassetten unbeabsichtigt verändern, insbesondere mit dem großen 8×10 Rückteil. Wie die mittlere Abbildung zeigt, kann man dies leicht übersehen; eine feste Klemmung in Nullposition ist daher angesagt.

In der 8×10 Ausbaustufe sind die Verstellwege des Rückteils deutlich eingeschränkt, so daß nur noch geringe Korrekturen möglich sind. Da sich die Standarten durch die Klemmungen insgesamt kippen lassen, kann man aber durch indirekte Verschiebung zusätzlichen Verstellweg gewinnen.

Für das 8×10 Format gibt es auch einen breiteren Standartenblock, der etwas größere Verstellwege des Rückteils ermöglicht. Beide Blöcke lassen sich für alle Formate einsetzen.

Die Schwenkmechanismen der P2 sind so konstruiert, dass sich die Mattscheibe horizontal und vertikal jeweils um eine asymmetrisch auf der Mattscheibe eingezeichnete Achse dreht (siehe Abbildung weiter oben). Diese Achsen sind unten bzw. rechts auf der Mattscheibe gestrichelt eingezeichnet. Wenn die Kamera auf einen Punkt auf diesen Linien scharfgestellt wird, kann man die Mattscheibe schwenken bzw. kippen, ohne die Scharfstellung auf dieser Linie zu verlieren. Weil nur die anderen Bildbereiche von den Verstellungen beeinflusst werden, lassen sich Verlagerungen der Schärfeebene nach dem Scheimpflug-Prinzip sehr gezielt vornehmen.

Dieses Prinzip funktioniert nur mit den Verstellungen der Bildstandarte und ändert dadurch die Bildproportionen. Vorder- und Rückstandarten besitzen deshalb Skalen, mit denen die Verstellungen der beiden Standarten getauscht werden können.

Durch diese Konstruktionsmerkmale ist die Kamera besonders gut für Aufnahmen einsetzbar, bei denen eine Verlagerung der Schärfeebene notwendig ist. Die anderen Sinar Modelle besitzen diese asymmetrische Verstellung nicht, aber mit der F2 ist über die Arbeit mit zwei Meßpunkten eine gezielte Scheimpflug-Einstellung ebenfalls möglich.

Neben diesen Kontrollmöglichkeiten besitzt die Kamera auch eine Skala für die Schärfentiefenkontrolle. Für den Einsatz wird zunächst auf den Fernpunkt fokussiert und die Skala des Fokusrads auf Null gestellt. Nach der Fokussierung auf den Nahpunkt kann man die benötigte Blende ablesen. Die Fokussierung wird anschließend auf die Mitte zwischen den beiden Skalenpunkten eingestellt. Die Skala ist leider nicht austauschbar, so daß sie nur für eines der Formate eingesetzt werden kann – es sei denn, man überklebt sie mit einer anderen.

Stative und Stativköpfe

Die Sinar P2 ist eine Studiokamera, und meines Erachtens ist ein Säulenstativ die einzig wirklich gute Lösung. Wegen Größe, Gewicht und Kosten habe ich aber keines und muß deshalb mit anderen Lösungen vorlieb nehmen.

Mit der montierten Kamera die Beine eines Dreibeinstativs in der Höhe zu justieren oder auch nur eine Mittelsäule ohne Kurbel auszuziehen ist wegen des hohen Aufbaus und des Gewichts der Kamera abenteuerlich. Um es trotzdem halbwegs handhabbar zu machen, verwende ich im Studio ein Manfrotto 058, das über eine stabile Mittelsäule mit Kurbel verfügt und über Auszüge der Beine, die auf Knopfdruck von oben verstellt werden können. Wenn man – was wegen des hohen Aufbaus oft nötig ist – weiter nach unten muß, dann müssen allerdings die Streben und der Anstellwinkel der Stativbeine verstellt werden. Das ist keine leichte Übung.

Zusammen mit diesem Stativ verwende ich den Manfrotto Getriebeneiger 400, der eine präzise Einstellung ermöglicht und über eine Schnellbefestigung verfügt, so dass die Kamera bei Bedarf problemlos vom Stativ genommen werden kann.

Diese Kombination wiegt insgesamt ca. 20 kg, was sie schwierig zu handhaben macht. Ich habe deswegen auch schon mit einem Dolly (Stativwagen) gearbeitet, mit dem die Kamera leicht bewegt aber nicht in eine tiefe Position gebracht werden kann.

Wenn ich die Kamera ausnahmsweise einmal draußen verwende, nehme ich ein Gitzo Carbonstativ der Serie 4 (G1349) mit dem Sinar-Kopf. Der Sinar-Kopf kann nur in zwei Achsen bewegt werden; die dritte Achse wird über den Bankhalter justiert. Weil das nur eine Klemmung ist, muß man aufpassen dass die Kamera nicht plötzlich kippt. Weil oft kleine Justierungen in der Höhe notwendig sind, arbeite ich mit eingesetzter Mittelsäule. Da sie keinen Zahntrieb hat, muß man bei der Höhenverstellung mit einer Hand das ganze Gewicht der Kamera halten. Diese Kombination ist nicht so gut einzustellen wie die Manfrotto-Kombination, aber dafür auch leichter. Perfekt sind beide nicht.

Auch Richard Avedon hat nur ein Gitzo-Stativ verwendet, es geht also schon. Er hatte allerdings auch ein paar Assistenten.

Was ist in meinem Fotokoffer?

Die Kamera transportiere ich in einem Rimowa-Koffer. Sie paßt mit dem 4×5-Rückteil, einem Objektiv und Kompendium gerade hinein, zusätzlich noch das separate 5×7-Rückteil, Bankschienen, Lupe, Einstelltuch und die Kabel für den Verschluß. Außerdem noch mein „Zoom-Sucher“ aus Pappe; sehr helfreich weil er das Versetzen der Kamera erspart. Das alles ist mit 18 kg schwer genug; Kassetten, eventuelle weitere Objektive und leider auch das empfindliche 8×10 Rückteil müssen separat transportiert werden. Die betriebsbereite Kamera ohne Kompendium wiegt ca. 7 kg.

 

Tipps zum Gebrauchtkauf

Sinar Kameras, auch die Sinar P oder P2, sind in der 4×5-Ausführung häufig gebraucht zu finden. Für eine gut erhaltene P2 ohne Verschluß und Objektiv wird man 600 € bis 800 € zahlen müssen, für die fast baugleiche P deutlich weniger. Die 5×7- und 8×10-Ausführungen sind zu entsprechend höheren Preisen deutlich seltener zu finden. Umbausätze für 5×7 werden jedoch recht häufig gebraucht angeboten.

Bei manchen Gebrauchtangeboten fehlen die Abschlusskappen des Bankrohrs. Sie verhindern, dass die Standarten unbeabsichtigt vom Bankrohr geschoben werden können.

Der Hinterlinsenverschluss und DB-Objektive werden relativ häufig angeboten – der Verschluss oft zu recht hohen Preisen, aber ohne die notwendigen Kabel für den Auslöser, Blitz und Kassettenautomatik. Es ist hier wichtig zu wissen, dass diese Teile nicht durch Fremdfabrikate ersetzt werden können, auch der Auslöser nicht. Mit etwas Glück kann man einen kompletten Satz für ca. 300 € finden. Achten Sie auch auf das Kupplungsstück, das zum Ansetzen des Automatik-Kabels an das Rückteil notwendig ist. Dieser Adapter hat möglicherweise eine Rändelmutter aus Kunststoff, die ohne erkennbaren Grund reißen kann. Man kann den Adapter zwar ohne diese Rändelschraube benutzen, aber nicht dauerhaft justieren. Ersatzmuttern gibt es aus Metall.

Schwachpunkte des Systems sind wie bei allen Großformatkameras die Balgen. Abgestoßene Ecken oder gar Flicken sind kein gutes Zeichen. Für den 4×5-Balgen findet man kostengünstigen Ersatz, für den 8×10-Balgen wird es erheblich teurer.

Die Siner P/P2 besitzt Feintriebe, häufig aus Kunststoff. Bei dem hohen Gewicht der Kamera werden diese Triebe durch rauhe Behandlung leicht beschädigt. Die Feintriebe setzen dann an einer Stelle aus, so dass eine Reparatur unumgänglich ist. Mich hat das schon zweimal über 200 € gekostet.

Die Feintriebe können vergleichsweise viel Spiel aufweisen. Bei meiner Kamera betrifft das nur die Schwenkmechanismen, und damit kann man leben. Bei den Feintrieben für die Fokussierung wäre das wesentlich störender, aber zumindest meine Kamera hat kein merkliches Spiel.

Die Wasserwaagen neigen zum Austrocknen. Sie sind schwer zugänglich, so daß ein Austausch nur schwierig selbst vorgenommen werden kann.

Der Adapter für den Synchronanschluß ist nicht sonderlich robust. Ich besitze einen der unzuverlässig auslöst, und einen bei dem sich die äußere Hülle auflöst, so dass die feinen Kabel keinen Schutz haben.

Die Gummimanschetten der Feintriebe und des Bankhalters sind nicht alterungsbeständig. Vor einiger Zeit zumindest konnte man sie noch als Ersatz beziehen. Die Sinar P hat keine solchen Manschetten, so daß da auch nichts altern kann. Sinar stellt die P2 nicht mehr im her, wohl aber die P3, welche ähnliche Bauteile verwendet. Inwieweit dies eine Versorgung mit Ersatzteilen sicherstellt kann ich leider nicht sagen. Da die Reparaturen ohnehin recht teuer sind, ist in manchen Fällen ein gebrauchtes Ersatzteil eine überlegenswerte Alternative.

Meine Erfahrung mit der Sinar

Die Sinar P2 ist eine der beiden Großbildkameras, die ich bevorzugt im Studio einsetze. Ich schätze die durchdachte und modulare Konstruktion, die eine komfortable Arbeit in verschiedenen Formaten erlaubt. Präzise Scheimpflug-Einstellungen sind für meine Arbeit meist weniger wichtig, aber wenn einmal Still-Life angesagt ist, machen die asymmetrischen Schwenkachsen die Einstellung schnell und sicher. Ich liebe auch den Hinterlinsenverschluß, nicht nur wegen seines Komforts und seiner Schnelligkeit,sondern auch weil er die Arbeit mit verschlußlosen Objektiven ermöglicht. Es wäre nur schön, wenn er noch etwas größer wäre und kürzere Verschlußzeiten hätte, dann könnte man auch lichtstarke Objektive verwenden und besser bei Tageslicht arbeiten. Aber immerhin, die meisten anderen Kameras haben gar kein Äquivalent zu bieten.

Was mir weniger gefällt ist das hohe Gewicht und die mechanische Empfindlichtkeit. Ich würde die Kamera gern auf ein Säulenstativ setzen und dort lassen, aber diese Option habe ich nicht. Im Studio kann ich mit anderen Lösungen leben, aber draußen wird es schon schwierig. Zehn Meter vom Auto sind machbar, sofern man nirgendwo aneckt und mit einem defekten Feintrieb dafür zahlt. Trotz dieser Kritikpunkte schätze ich die Kamera. Wegen des hohen Gewichts und der Empfindlichkeit ziehe ich aber in Betracht, das System für den Außeneinsatz um ein Rückteil der F2 zu ergänzen; alles andere für den Einsatz als F2 ist von meiner ursprünglichen C2 noch vorhanden.

Zum Schluß noch einige Bilder, die ich mir dieser Kamera aufgenommen habe:

Disclaimer

Ich stelle diese Information zur Verfügung weil ich gern fotografiere und weil sie nützlich sein kann. Ich habe keine kommerziellen Verbindungen zu einem der Hersteller der in diesem Artikel erwähnten Produkte oder oder zu deren Verkäufern. Die Kamera und alle Zuberhörteile sind mein persönliches Eigentum.